| Zollhammer |
07.04.2026 17:59:00
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Aktien von Roche, Novartis & Co letztlich im Minus.: Trump verhängt 100-Prozent-Zölle - Reduzierter Satz von 15% für die Schweiz
US-Präsident Donald Trump hat für die Einfuhr patentgeschützter Medikamente in die USA Zölle von bis zu 100 Prozent angekündigt.
Die Landesregierung bezeichnet die Einführung von US-Zusatzzöllen auf pharmazeutische Produkte als "eine zusätzliche Belastung für die exportierende Schweizer Pharmaindustrie", wie es beim Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) am Freitag auf Anfrage von Keystone-SDA hiess.
Die USA hielten sich mit einem länderspezifischen Zusatzzollsatz von maximal 15 Prozent für Pharmazeutika aus der Schweiz an ihre Zusage im Rahmen der gemeinsamen Absichtserklärung vom 14. November 2025. Bis anhin seien indes keine US-Zusatzzölle auf pharmazeutische Produkte erhoben worden. "Die zuständigen Departemente analysieren zusammen mit den betroffenen Interessensgruppen die konkreten Auswirkungen dieser Massnahmen", so das WBF weiter.
Der Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, Interpharma, forderte in einer Stellungnahme auf Linkedin: "Das Ziel muss sein, dass die Pharmaindustrie von Zöllen möglichst befreit wird." Die Schweiz müsse sich nun darauf konzentrieren, ihre eigenen Rahmenbedingungen zu verbessern. Es brauche umfangreiche Reformen, um den Pharmastandort Schweiz zu sichern.
USA wollen Abhängigkeit mindern
Die US-Regierung teilte laut einem am Donnerstag vom Weissen Haus veröffentlichten Dekret mit, Ziel der Massnahmen sei es, die inländische Produktion zu stärken, Lieferketten abzusichern und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
Für Länder mit Handelsvereinbarungen - dazu zählen die Schweiz, die EU, Japan und Südkorea - gilt der deutlich tiefere Satz von 15 Prozent. Generika und Biosimilars sind vorerst von den Zöllen ausgenommen, könnten aber zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls einbezogen werden.
Die nun angekündigten Zoll-Massnahmen sollen in 120 Tagen für grosse Unternehmen und in 180 Tagen für kleinere Firmen in Kraft treten. Die genauen Auswirkungen für die Schweizer Pharmabranche waren zunächst unklar. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Pharmafirmen.
Unternehmen können die Zölle den Angaben zufolge reduzieren oder ganz vermeiden, wenn sie - wie bereits früher durch Trump angekündigt - Produktionskapazitäten in den USA aufbauen und Preisvereinbarungen mit den Behörden abschliessen. In solchen Fällen können die Abgaben vorübergehend entfallen oder deutlich gesenkt werden - teils bis Anfang 2029.
Die US-Regierung hat bereits mit mehr als einem Dutzend grosser Pharmafirmen entsprechende Vereinbarungen getroffen. Diese verpflichteten sich, Medikamentenpreise in den USA stärker an internationale Vergleichsniveaus anzupassen und im Gegenzug Investitionen in Milliardenhöhe in den USA zu tätigen. Insgesamt summieren sich die zugesagten Investitionen laut US-Regierung auf mehrere hundert Milliarden Dollar.
Roche und Novartis mit Deal
Bereits im Dezember 2025 hatten die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis eine entsprechende Einigung mit der US-Regierung erzielt. Dabei verpflichtete sich etwa die Roche-Tochter Genentech, den Preis für ihr Grippemedikament Xofluza für Direktkäufer über die staatliche Plattform von 168 auf 50 US-Dollar zu senken. Novartis wiederum reduzierte den Preis für sein Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent für entsprechende Patienten von 9987 auf 1137 Dollar.
Im Gegenzug wurde beiden Konzernen eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kündigte Roche Investitionen von rund 50 Milliarden Dollar an, während Novartis in den kommenden fünf Jahren etwa 23 Milliarden Dollar in den Ausbau von Forschung und Produktion in den USA investieren will.
Die neuen Pharmazölle sind Teil einer breiter angelegten, zunehmend sektorspezifischen Handelspolitik der USA. Ein Jahr nach der grossen Zoll-Offensive verschärft die Regierung damit den Druck auf internationale Unternehmen, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Beobachter erwarten, dass dies mittelfristig zu Anpassungen globaler Lieferketten und Investitionsströme führt.
Stahlzölle: US-Regierung will Einnahmen erhöhen
Auch wurden Neuerungen bei Stahl, Aluminium und Kupfer angekündigt: Bei Stahlbalken und ähnlichen Produkten soll der Zollsatz von 50 Prozent künftig nicht auf den Preis des Exporteurs erhoben werden, sondern auf den Preis, der am amerikanischen Markt fällig wird. Die US-Regierung will damit ihre Einnahmen deutlich erhöhen.
Für andere Produkte wie Waschmaschinen könnte der Zollsatz hingegen sogar fallen.
US-Zölle: Pharmabranche fürchtet um europäische Standorte
Arzneimittel-Hersteller in Deutschland und der Schweiz sehen in den neu angekündigten US-Zöllen auf Pharmaprodukte eine Bedrohung für europäische Produktionsstandorte. "Mittelfristig besteht die Gefahr, dass Teile der Produktion und Forschung in die USA abwandern", wo regulatorische und finanzielle Anreize locken, hiess es vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in Berlin. Der Schweizer Verband Interpharma warnte vor negativen Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten.
Die US-Regierung will Pharmakonzerne mit einem Aufschlag von 100 Prozent dazu bewegen, sich in den USA anzusiedeln. Deutschland und alle anderen EU-Staaten sowie die Schweiz, Japan und Südkorea sind jedoch wegen separater Abkommen davon ausgenommen. Für sie gelten Zollsätze bis zu 15 Prozent.
Warnung vor Folgen für Patienten weltweit
Dennoch bewerten die Pharmaverbände die angekündigten Massnahmen als massiven Eingriff in den Medikamenten-Markt. Die Zölle "gefährden die globalen Produktions- und Lieferketten für Arzneimittel, behindern Forschung und Entwicklung und schaden letztlich Patientinnen und Patienten weltweit", warnte Interpharma in Bern.
Einzelne Hersteller können Zölle vermeiden, indem sie verstärkt in den Vereinigten Staaten investieren und produzieren, und indem sie dort ihre Preise senken. Unter anderem haben die Schweizer Branchenriesen Novartis und Roche im Dezember entsprechende Vereinbarungen mit der US-Regierung abgeschlossen.
Wegen des Drucks aus den USA stehen nun auch Investitionen am deutschen Standort auf dem Prüfstand, wie VFA-Präsident Han Steutel sagte. Umso wichtiger sei es, auch in Europa einen bedeutenden Markt zu entwickeln. Der Branchenvertreter forderte niedrigere Ansiedlungskosten, schnellere Verfahren und Innovationsförderungen. "Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung entschieden die Belange des Wirtschaftsstandorts Deutschland in den Blick nimmt", sagte er.
Die Roche-Aktie notiert am Dienstag an der SIX letztlich 3,43 Prozent tiefer bei 320,60 Franken, während die Novartis-Aktie schlussendlich 2,76 Prozent auf 119,80 Franken nachgibt.
Washington/Zürich (awp/sda/awp)
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