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Schwieriges Marktumfeld 18.06.2024 17:56:00

Komax-Aktie knickt ein: Komax erleidet Umsatzeinbruch und führt Kurzarbeit ein

Komax-Aktie knickt ein: Komax erleidet Umsatzeinbruch und führt Kurzarbeit ein

Das Innerschweizer Industrieunternehmen Komax leidet unter einer schwierigen Marktsituation.

Es treffen deutlich weniger Bestellungen ein, weshalb Kurzarbeit angeordnet wurde.

In den ersten fünf Monaten des Jahres seien der Bestellungseingang und der Umsatz um ein Fünftel eingebrochen, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Weil nun der Auftragsbestand aufgebraucht sei, sei auch für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von rund 20 Prozent zu rechnen. Beim operativen Gewinn (EBIT) soll noch ein leicht positiver Wert resultieren, nachdem im Vorjahr ein EBIT von 68 Millionen Franken erzielt worden war.

Die Kunden von Komax, die aus der Autoindustrie stammen, zeigten sich insbesondere in Europa und Asien aufgrund vorhandener Überkapazitäten und einer angespannten Wirtschaftslage zurückhaltend beim Fällen von Investitionsentscheiden, erklärt das Unternehmen. Davon ausgenommen sei immerhin die Marktentwicklung in Indien.

Dierikon und Cham in Kurzarbeit

Nun schraubt Komax an den Kosten. So werde derzeit der Personalbestand reduziert. Abgänge würden nicht ersetzt und es gebe einen "leichten aktiven Abbau". Der Firmensprecher bezifferte diesen gegenüber der Nachrichtenagentur AWP auf rund 20 Stellen.

Auch die Belegschaft in den Schweizer Werken bekommt die Schwächephase zu spüren: Seit dem Mai sind die Produktionsmitarbeitenden in Dierikon in Kurzarbeit. Zudem soll die Kurzarbeit ab dem 1. Juli auf den gesamten Standort und auf die Fabrik in Cham ausgeweitet werden. An diesen beiden Standorten beschäftigt die Gesellschaft laut dem Firmensprecher rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Gesellschaft arbeitet laut den Angaben ausserdem weiter an der Bereinigung des Produktportfolios und der Optimierung der Vertriebs- und Organisationsstruktur. So sei Ende April 2024 die Produktion bei Komax Testing Bulgaria eingestellt worden und man befinde sich im Schliessungsprozess des Standorts im deutschen Jettingen.

"Talsohle ist erreicht"

Betroffen von der Marktschwäche sei vor allem das Volumengeschäft, das überproportional zum EBIT beitrage, so das Communiqué weiter. Das Geschäft mit Produkten zur Steigerung des Automatisierungsgrades habe derweil einen deutlich geringeren Rückgang erlitten. Die Kundschaft zeige sich also weiterhin bereit, in diese zu investieren, auch wenn es in diesem Jahr bereits verschiedene Projektverzögerungen gegeben habe.

Für das zweite Halbjahr geht das Unternehmen von einer leichten Verbesserung der Lage aus. Dies gehe aus den Offertenaktivitäten hervor, sagte der Sprecher. "Die Talsohle sollte erreicht sein." Allerdings sei die Visibilität der Geschäftsentwicklung nach wie vor gering. Man sei jedoch überzeugt, gestärkt aus der Schwächephase herauszukommen.

Die Aktien des Autozulieferers Komax büssen am Dienstag deutlich an Wert ein. Auslöser ist eine Gewinnwarnung. Was die langfristigen Prognosen angeht, sind sich die Analysten uneinig.

Letztlich gaben die Komax-Aktien an der SIX 2,85 Prozent auf 136,20 Franken nach. Damit summieren sich die Verluste seit Anfang Jahr auf mittlerweile knapp 37 Prozent. Noch schlimmer sieht die Bilanz gegenüber dem Mehrjahreshoch vom Frühling 2023 aus: Damals hatten die Papiere zeitweise noch mehr als 300 Franken gekostet.

Nach der am Morgen publizierten Gewinnwarnung sei noch mit einem Jahresumsatz von 600 Millionen Franken nach 752 Millionen im Vorjahr zu rechnen und der EBIT dürfte nur leicht positiv ausfallen, fasst der Baader-Helvea-Experte die Hiobsbotschaft zusammen. "Wir müssen daher unsere schon kürzlich gesenkten Schätzungen weiter zurücknehmen."

Ähnlich sieht es der Analyst der ZKB: "Die reduzierten Prognosen von Komax sind eine weitere herbe Enttäuschung", meint er und verweist auf den bisherigen Konsens. Laut diesem wurde bislang im Schnitt ein Umsatz von gut 700 Millionen und ein EBIT von gegen 60 Millionen erwartet. "Diese Werte werden nun meilenweit verfehlt."

Uneinig sind sich die Experten darin, ob und wann es wieder aufwärts geht. "Mittelfristig könnte die Aktie von ihrer weltweit führenden Marktposition und dem Trend zur Automatisierung profitieren", meint der Baader-Helvea-Experte, der das Papier mit 'Add' einstuft. Nach mehreren Enttäuschungen müsse Komax jedoch das Vertrauen des Kapitalmarktes zurückgewinnen, um eine deutliche Kurserholung auszulösen.

Auch Vontobel spricht von einem nur zyklischen Abschwung, der ähnlich sei wie frühere. Er stuft das Papier mit 'Buy' ein und sieht die aktuelle Kursschwäche sogar als Kaufgelegenheit.

Ganz anders der Analyst der ZKB ('Untergewichten'). Er erwartet keine baldige Wende zum Guten. "Auch wenn das zweite Halbjahr leicht besser als das erste ausfallen soll, ist in den kommenden Jahren nicht mit einer raschen Rückkehr auf das Ausgangsniveau zu rechnen", so sein Fazit. Für ihn sind somit auch die Mittelfristziele der Gesellschaft obsolet geworden.

rw/tv

Dierikon (awp)

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Bildquelle: Keystone,Komax