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11.08.2022 14:36:36

RWE investiert verstärkt in erneuerbare Energien

ESSEN (awp international) - Der Energiekonzern RWE profitiert von den Bestrebungen zu mehr Klimaschutz und erneuerbarer Energieerzeugung. Der Konzern werde dieses Jahr mehr als fünf Milliarden Euro in den Ausbau des grünen Portfolios investieren, sagte Konzernchef Markus Krebber am Donnerstag in Essen bei der Vorlage der endgültigen Zahlen für das zweite Quartal. Das seien 30 Prozent mehr als ursprünglich geplant. In der Telefonkonferenz mit Journalisten musste das Management hingegen vor allem Fragen zu herkömmlichen Energieerzeugung beantworten, wie Gas und Kernkraft.

Die Entscheidung über einen Weiterbetrieb seines Kernkraftwerks Emsland über das Jahresende hinaus sieht Krebber bei der Politik. "Wichtig ist, dass jetzt ein Stresstest gemacht wird. Auf Basis des Stresstests wird die Politik dann die Entscheidung treffen und die warten wir ab", sagte er. Nach der Entscheidung gehe es "in die Richtung, die die Politik wünscht".

Bei dem sogenannten Stresstest sollen die Übertragungsnetzbetreiber die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland unter verschärften Bedingungen überprüfen. Wann das Ergebnis kommt, ist noch offen. Krebber sagte weiter: "Wir haben früher schon gesagt, die Kapazität der Anlagen, die zur Verfügung stehen würde, ist überschaubar. Der Effekt aufs Gassparen ist auch überschaubar. Es gibt rechtliche und regulatorische Hürden."

Die RWE-Anleger reagierten auf die Zahlenvorlage zunächst mit Verkäufen, die Aktie verlor zeitweise fast vier Prozent. Gegen Mittag zeigte sie sich erholt: Sie notierte knapp ein Prozent im Plus bei 42,87 Euro und befand sich damit im oberen Mittelfeld des Leitindex Dax . Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen zum Handelsbeginn und verwiesen darauf, dass die Papiere der Essener seit Ende Juni um mehr als ein Fünftel gestiegen waren.

Mit den diesjährigen Investitionen in erneuerbare Energien würde RWE sein durchschnittliches Jahresziel bereits im ersten Jahr übertreffen, nachdem der Konzern im vergangenen November seine Strategie bis 2030 vorgestellt hatte. Demnach will RWE bis zum Ende des Jahrzehnts pro Jahr im Schnitt fünf Milliarden Euro brutto in das Geschäft investieren, netto sollen es bis dahin in Summe 30 Milliarden Euro sein.

Die hohe Nachfrage nach erneuerbaren Energien haben die Essener auch im ersten Halbjahr gespürt. Der Kapazitätsausbau und bessere Windverhältnisse haben bei RWE dazu geführt, dass rund 20 Prozent mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden konnte als ein Jahr zuvor. Insgesamt ging die Stromerzeugung hingegen leicht zurück. Seine Ergebnisse konnte der Konzern aber trotzdem kräftig steigern - nicht zuletzt dank der hohen Energiepreise.

Bei dem Energiekonzern entwickelten sich die Bereiche Wind und Solar weiterhin mit hoher Qualität, schrieb Analyst Alberto Gandolfi von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sein Kollege Sam Arie von der UBS lobte die weiterhin äusserst robuste Bilanz. Laut Jefferies-Analyst Ahmed Farman sind die Ergebnisse für das erste Halbjahr erwartungsgemäss ausgefallen. RWE hatte Ende Juli vorläufige Zahlen vorgelegt, diese wurden nun bestätigt. Ebenso wie die bereits zu diesem Zeitpunkt erhöhte Prognose. Treiber war auch im ersten Halbjahr RWEs Kerngeschäft, in dem der Konzern die Bereiche Windkraft an Land und auf See, Solar, Energiehandel sowie Wasser, Biomasse und Gas bündelt.

Unterm Strich entfielen auf die Aktionäre im ersten Halbjahr mit knapp 2,1 Milliarden Euro Gewinn 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im abgelaufenen zweiten Quartal schrieb RWE dabei rote Zahlen. Es fiel ein Verlust von 83 Millionen Euro an. Hier wirkt sich die Bewertung von Absicherungsgeschäften gegen Preisrisiken und Vorräten aus, sowie Wertberichtigungen. Bereinigt um die Sondereffekte - und damit im operativen Geschäft - blieben nach sechs Monaten 1,6 Milliarden Euro und damit 80 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der operative Barmittelzufluss konnte zwar vom ersten auf das zweite Quartal verbessert werden, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 ging er aber um über 40 Prozent zurück auf 2,9 Milliarden Euro. Grund sind laut RWE Kosten für die Beschaffung von Emissionsrechten. Der verbleibende freie Barmittelfluss führte in Verbindung mit verringerten Pensionsrückstellungen aber dennoch zu mehr Nettovermögen, das sich Ende Juni auf 1,9 Milliarden Euro belief.

Mit der Vorlage seines Halbjahresberichts gewährte RWE auch weitere Einblicke in die ihn betreffenden Folgen des russischen Ukraine-Kriegs. Demnach wurden die Risiken durch Gasbezüge aus Russland mittlerweile auf null reduziert. RWE hatte bis 2023 insgesamt Vereinbarungen zur Abnahme von russischem Gas in einer Grössenordnung von bis zu 15 Terawattstunden (TWh). Diese seien nun vollständig durch Absicherungsgeschäfte abgeschirmt. Analyst Vincent Ayral US-Bank JPMorgan lobte diesen Schritt als "bemerkenswert".

Durch die Absicherungsgeschäfte will RWE seinen Lieferverpflichtungen dennoch nachkommen können, sollte das russische Gas wegen eines Lieferstopps nicht mehr verfügbar sein. Auch den Import von russischer Kohle hat RWE entsprechend der Sanktionen auf Null heruntergefahren, was allerdings, wie bereits bekannt, zu Abschreibungen führte.

Die geplante Gasumlage zur Rettung systemrelevanter Gasimporteure will RWE aber nicht für sich in Anspruch nehmen. "RWE ist ein finanzstarkes und robustes Unternehmen. Wir erwägen daher, bis auf Weiteres darauf zu verzichten, unsere Verluste aus der Gasersatzbeschaffung für diese Umlage geltend zu machen", sagte Vorstandschef Krebber. "Wir würden diese dann (...) selber tragen." Über die erwartete Höhe machte RWE keine Angaben. Die Höhe der Verluste werde davon abhängen, wie viel Gas noch aus Russland komme. "Es geht hier schon um einen relevanten Betrag", sagte Krebber.

Die Umlage soll ab Anfang Oktober greifen und Gasimporteuren zugutekommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende Gasmengen aus Russland kaufen müssen. Sie können diese Mehrkosten aber bisher nicht weitergeben, dies soll über die Umlage geschehen. Die Höhe der Umlage soll am Montag, 15. August, bekannt gegeben werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde genannt. Unklar ist noch, ob auf die Umlage auch eine Mehrwertsteuer erhoben wird.

Krebber bezeichnet es als eine "richtige Lösung", dass die Gasumlage von den Gaskunden getragen werden soll. "Denn das gibt natürlich einen Anreiz durch die dann steigenden Gaspreise, weiterhin Gas einzusparen." Dass Unternehmen, die Verluste erlitten, aber nicht in wirtschaftlicher Not seien, auch die Gasumlage in Anspruch nähmen, sei dem Umstand geschuldet, dass der Gesetzgeber dabei nicht differenzieren könne. "Aber ein Unternehmen kann aus seiner Sicht sagen, wir können in unserem Geschäftsportfolio, was sehr robust ist, das selber auffangen. Insofern verzichten wir darauf, das in Anspruch zu nehmen."/lew/tob/nas/zb


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