| Nahost-Konflikt |
08.04.2026 20:53:00
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USA und Iran vereinbaren Waffenruhe - Strasse von Hormus wird geöffnet
Durchbruch im Golf: USA-Iran-Waffenruhe öffnet Strasse von Hormus.
Deeskalation nach dramatischer Zuspitzung
Kurz vor Ablauf seines Ultimatums kündigte US-Präsident Donald Trump über Truth Social an, dass die Vereinigten Staaten bereit seien, geplante Militärschläge gegen iranische Ziele auszusetzen. Voraussetzung dafür ist die Öffnung der strategisch bedeutsamen Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr.
Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahesteht, bestätigte Teherans Zustimmung zu dem von Trump vorgeschlagenen Waffenstillstand. Damit scheint eine weitere Eskalation in der Region zunächst abgewendet.
Teheran sichert Zugang zur strategischen Meerenge zu
Irans Aussenminister Abbas Araghtschi hat die Freigabe der Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr zugesagt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften gefallen, erklärte Araghtschi in einer offiziellen Stellungnahme. Bei der praktischen Umsetzung würden technische Rahmenbedingungen berücksichtigt, um einen geordneten Durchgang sicherzustellen.
Die Meerenge zwischen Persischem Golf und Golf von Oman zählt zu den wichtigsten Transitrouten im globalen Energiehandel. Ein beträchtlicher Anteil der weltweiten Öllieferungen wird durch diese Wasserstrasse transportiert. Jede Veränderung der Durchfahrtsbedingungen kann daher unmittelbare Auswirkungen auf Ölpreise und internationale Versorgungssicherheit haben.
Washington sieht militärische Ziele erfüllt
Laut Trump haben die amerikanischen Streitkräfte ihre militärischen Zielsetzungen bereits erreicht. Der Schwerpunkt liege nun auf diplomatischen Lösungen. "Wir haben einen Zehn-Punkte-Vorschlag vom Iran erhalten und sind überzeugt, dass er eine tragfähige Verhandlungsgrundlage bietet", so der US-Präsident.
Nach Trumps Einschätzung seien nahezu alle historischen Streitpunkte zwischen Washington und Teheran bereits beigelegt. Die zweiwöchige Atempause solle dazu genutzt werden, die verbliebenen Details eines umfassenden Abkommens auszuarbeiten und dessen praktische Umsetzung vorzubereiten.
Pakistan als Vermittler: Sofortiger Waffenstillstand in Kraft
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif bestätigte auf der Plattform X, dass die Feuerpause zwischen Iran und den USA sowie ihren jeweiligen Verbündeten mit sofortiger Wirkung greife. Dies gelte auch für den Libanon und weitere Konfliktregionen.
Sharif lud Delegationen beider Länder zu weiteren Gesprächen am Freitag nach Islamabad ein. Dort sollen Vertreter aus Washington und Teheran über ein endgültiges Abkommen zur Konfliktbeilegung verhandeln. Der pakistanische Regierungschef würdigte beide Seiten für ihre "bemerkenswerte Weisheit und Verständnis" sowie ihren konstruktiven Einsatz für Frieden und Stabilität.
Kritische Wasserstrasse als Schlüsselfaktor
Die Freigabe der Strasse von Hormus bildet die zentrale Voraussetzung für die Feuerpause. Durch diese Meerenge passieren täglich Millionen Barrel Rohöl - eine Blockade hätte gravierende Konsequenzen für die weltweiten Energiemärkte zur Folge.
Beobachter werten die Einigung als bedeutenden Fortschritt zur Entspannung in einer der geopolitisch sensibelsten Regionen. Sollten die Verhandlungen zum Erfolg führen, könnte dies das Ende jahrzehntelanger Spannungen zwischen beiden Nationen bedeuten.
Zweiwöchige Verhandlungsphase für dauerhafte Lösung
Das vereinbarte Zeitfenster von vierzehn Tagen soll beiden Seiten ermöglichen, die finalen Vertragsdetails zu klären und ein dauerhaftes Langzeitabkommen zu unterzeichnen. Trump äusserte sich zuversichtlich über einen erfolgreichen Abschluss der Friedensgespräche.
Eine nachhaltige Beilegung des Konflikts könnte erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte haben - insbesondere auf Ölpreise, Rüstungsaktien und Unternehmen mit Geschäftsinteressen im Nahen Osten. Investoren verfolgen die Entwicklungen daher mit erhöhter Aufmerksamkeit.
Feuerpause im Iran-Krieg auf der Kippe
Der Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars wegen der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon, aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA auszusteigen.
Aus Protest gegen die Angriffe auf die verbündete Miliz stoppte der Iran den Angaben von Fars zufolge auch den Schiffsverkehr durch die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge wieder. Diese Blockade widerspricht der Vereinbarung mit den USA.
Israel: Grösster koordinierter Angriff gegen Hisbollah
Die israelische Armee griff den Libanon massiv an und sprach selbst vom "grössten koordinierten Angriff" gegen militärische Infrastruktur der Hisbollah seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Miliz Anfang März. Dabei seien mindestens 112 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt worden, sagte ein Sprecher des libanesischen Gesundheitsministeriums.
Aus Sicht der iranischen Führung verstösst Israel mit den Angriffen gegen die Vereinbarung. Pakistans Premier, Shehbaz Sharif, schrieb auf X, die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon.
Israels Premier Benjamin Netanjahu widersprach und betonte, der Waffenstillstand beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran - nicht aber auf den Einsatz gegen die Hisbollah. Israel wirft dem Iran vor, nach Inkrafttreten der Feuerpause seine Angriffe auf das Land fortgesetzt zu haben.
Iran: Passage der Strasse von Hormus erst nach Genehmigung
Insbesondere nach neuen Angaben aus dem Iran herrschte Unklarheit, ab wann und unter welchen Bedingungen die Strasse von Hormus wieder passierbar wird. Der Schiffsverkehr unterliege nach wie vor "technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften", hiess es aus Teheran. Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Strasse von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest wieder eingestellt wurde.
Melanie Schürmann, Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch mit Material von awp international
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