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29.11.2025 13:12:36

Energiestiftung kritisiert Sicherheitslücke im AKW Gösgen scharf

Bern (awp/sda) - Die Schweizerische Energie-Stiftung hat ein Gutachten zur Problembehebung im Atomkraftwerk Gösgen erstellen lassen. Sie spricht von einem Skandal. Die fehlenden Klappen, die aktuell nachgerüstet werden, hätten bereits seit der Inbetriebnahme für ein grosses Risiko gesorgt. Die Aufsichtsbehörde Ensi widerspricht.

Das AKW Gösgen ist seit dem 24. Mai nicht mehr am Netz. Das Wiederanfahren verzögerte sich wegen einer Sicherheitslücke: Die Betreiber wurden beauftragt, Nachweise zu einer möglichen Überlastung im Speisewasser-Rohrleitungssystem zu erbringen. Nun sind Verstärkungsmassnahmen erforderlich - sogenannte gedämpfte Rückschlagklappen.

Das Gutachten der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) kam nun zum Schluss, dass diese Klappen schon seit der Inbetriebnahme des AKW im Jahr 1979 fehlen, wie es in einer Mitteilung vom Samstag hiess. In einem Störfall drohe ohne diese Klappen das Versagen der Kühlung des Reaktors. Schwere Kernschäden bis hin zur Kernschmelze könnten die Folge sein.

"Spiel mit dem Feuer"

"Es ist ein Skandal, dass das AKW Gösgen seit Inbetriebnahme mit einer potenziell so katastrophalen Schwachstelle betrieben wird. Das zeigt, dass diese Technologie ein Spiel mit dem Feuer ist", liess sich Stephanie Eger, Fachbereichsleiterin Atomenergie der SES zitieren.

Doch die Aufsichtsbehörde, das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) weist die Kritik zurück. Das Problem mit den Rückschlagklappen sei bereits 1998 von der Vorgängerbehörde angegangen worden. Diese habe Nachbesserungen angeordnet, bestätigte ein Sprecher des Ensi auf Anfrage von Keystone-SDA einen Artikel des "Tages-Anzeigers".

Statt auf die Klappen habe man in Gösgen auf verstärkte Halterungen in den Rohrleitungen gesetzt, so das Ensi. Anders als bei den anderen Schweizer AKW. In Beznau und Leibstadt seien diese Klappen "schon lange" nachgerüstet worden, so die SES.

Erst dank neuen Berechnungsmethoden habe sich eine "mögliche Auslegungsschwachstelle im Speisewassersystem" gezeigt, schrieb das Ensi auf seiner Website dazu.

Die SES fordert nun den raschen Ausbau der Erneuerbaren. "Auch eine Solaranlage oder eine Windturbine kann mal beschädigt sein, aber dann kommen nicht gleich das ganze Land und der halbe Kontinent in akute Gefahr", so Eger. Gösgen wird voraussichtlich Ende Februar 2026 wieder ans Netz gehen.

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