| Rückblick |
08.04.2026 05:01:00
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ETF Compass 2026: Das brachte das erste Quartal
Hoffnungsvoll gestartet, und dann eine 180°-Wende: Das ist die Bilanz des ersten Quartals im Börsenjahr 2026.
Als erstes kamen im Februar Sorgen auf, dass der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz mit ihrer wachsenden Bandbreite an Anwendungen insbesondere klassische Geschäftsmodelle bei Softwarefirmen nachhaltig schädigen könnten. Das führte zum Teil zu massiven Verkäufen, was nach den vorangegangenen deutlichen Bewertungs-Rallys auch nachvollziehbar war, wenngleich vielleicht nicht in dem Umfang. Der Gamechanger war allerdings Ende Februar der Beginn der militärischen Eskalation im Nahen Osten. Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran initiierten eine massive Risk-off-Tendenz in den Märkten.
Nachvollziehbar, denn mit dem Iran-Krieg wurde gleichzeitig eine der wichtigsten Lebensadern im globalen Energiehandel, die Strasse von Hormus, nicht nur beeinträchtigt, sondern faktisch geschlossen. Durch diese Wasserstrasse fliessen sonst täglich 20 Prozent des weltweiten Ölhandels, wie auch signifikante Mengen an Flüssiggas. Die Folge: Die Energiepreise, insbesondere der Ölpreis, explodierten. Allein im ersten Quartal verteuerte sich der Preis für Brent Crude Oil am Spotmarkt zeitweise um 98 Prozent und zum Ende des Quartals lag er immer noch rund 86 Prozent über dem Niveau zum Jahresbeginn. Gleichzeitig knickte Gold massiv ein, nachdem es noch zum Jahresanfang seine Rally bis auf zeitweise über 5'500 $ je Unze fortsetzen konnte. Gewinnmitnahmen und eine Neubewertung, zumindest zeitweise, sorgten dafür, dass das Edelmetall in der Spitze rund 19 Prozent im Quartal verlor.
In der Summe: Massive Neubewertung von bisherigen Highflyern, eine kritische geopolitische Eskalation, Gewinnmitnahmen und eine allgemeine Risk-off-Tendenz lieferten im Q1 das Umfeld, dem sich auch viele ETFs stellen mussten. Dabei wurde vor allem eine Assetklasse besonders stark in Mitleidenschaft gezogen, die Gruppe der Kryptowährungen. So büsste der 21shares Ethereum Staking ETP im Quartal -29.8 Prozent ein. Der 21shares Bitcoin ETP verlor -23.4 Prozent. Negativer Spitzenreiter war aber der 21Shares Ondo ETP, der es auf einen Verlust von -34.6 Prozent brachte.
Allerdings war Krypto hier tatsächlich ein massiver Ausreisser nach unten. Denn sowohl bei den Core-ETFs als auch bei den Spezialisten (Satellite-ETFs) wurden zwar teilweise Verluste gemeldet, die sich allerdings im überschaubaren Rahmen zeigten. Das untermauert erneut die Anlage-These, dass ETFs durch ihre Diversifikation oftmals auch deutlich höhere Marktvolatilitäten dämpfen können. Von den Core-ETFs machte der Vanguard S&P 500 UCITS ETF (USD) Distributing mit einem Quartalsminus von -3.1 Prozent die schwächste Figur, gefolgt vom Amundi Core EURO STOXX 50 UCITS ETF USD Acc mit -2.3 Prozent. Bei den Satellite-ETFs traf es den Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF 1C mit einem Quartalsverlust von -4.9 Prozent am stärksten. Das war der schon beschriebenen Diskussion um die Zukunft der KI geschuldet.
Aber es zeigten sich auch einige überraschende Gewinner. So der L&G Cyber Security UCITS ETF, der 1.2 Prozent zulegen konnte. Dahinter stand die Erwartung, dass im Zuge des Iran-Konfliktes auch das Thema Cyber-Sicherheit wieder stärker adressiert wird. Auf den ersten Blick am überraschendsten war vielleicht der Zugewinn von 11.5 Prozent beim iShares Global Clean Energy Transition UCITS ETF USD (Dist). Dieser war aber ganz klar Profiteur der steigenden Energiepreise, die den Druck auf Staaten, Unternehmen und Verbraucher erhöhen, sich nach alternativen Energiequellen umzuschauen.
Gold musste zwar in der zweiten Quartalshälfte korrigieren, der Swisscanto (CH) Gold ETF EA CHF brachte allerdings dann doch für das gesamte Quartal einen Zugewinn von 6.9 Prozent über die Ziellinie. Hinzu kam die weiterhin starke Nachfrage nach Lösungen für passive Einkommen. Davon profitierte der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF Distributing. Dieser musste im März auch Gewinnmitnahmen verdauen, konnte am Ende aber doch mit einem Quartalsgewinn von 5.6 Prozent abschliessen.
Für das neue Quartal dürften erst einmal die Entwicklungen im Nahen Osten dominierend sein. Der fragile, aber immerhin intakte Waffenstillstand zwischen den USA und Iran lenkt den Blick auf einige Branchen, die im Best Case Szenario einer wie auch immer gearteten friedlichen Einigung neue Chancen versprechen. Drei ETFs stehen dabei im Fokus.
Wenn sinkende Energiepreise und nachlassende Handelsunsicherheiten die globalen Lieferketten wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen, zählen die exportorientierten Volkswirtschaften Asiens erfahrungsgemäss zu den ersten Profiteuren. Dies kann durch den Vanguard FTSE Developed Asia Pacific ex Japan UCITS ETF (USD) Accumulating adressiert werden. Dabei sticht in diesem ETF ein Markt besonders hervor: Südkorea macht mit 44.3 Prozent den grössten Länderanteil aus, und die zwei führenden Positionen, Samsung Electronics mit 14.3 Prozent und SK hynix mit 8.1 Prozent, sind beide Schlüsselakteure im globalen Halbleitermarkt, der unmittelbar von einer Erholung der Nachfragedynamik profitiert. Das Fondsvolumen beträgt 581 Mio. Fr., die Gesamtkostenquote liegt bei sehr günstigen 0.15 Prozent pro Jahr.
Die Diskussion um Geschäftsmodellrisiken durch neue KI-Konkurrenten hat im ersten Quartal für Kursrückgänge gesorgt - das strukturelle Wachstumsthema selbst bleibt davon jedoch unberührt. Wer nach einem selektiven Einstiegspunkt gesucht hat, findet diesen nun möglicherweise beim L&G Artificial Intelligence UCITS ETF. Das Produkt bildet den ROBO Global Artificial Intelligence Index nach, der 50 Unternehmen mit nachweislichem KI-Geschäftsbezug nach ESG-Kriterien gefiltert zusammenstellt. Die grössten Positionen vereinen Hardware-Enabler und Software-Infrastruktur: Lumentum Holdings (4.4 Prozent), Palo Alto Networks (3.4 Prozent), Lam Research (3.3 Prozent), ASML Holding (3.1 Prozent) und Taiwan Semiconductor (3.1 Prozent) decken dabei die gesamte KI-Wertschöpfungskette ab. Mit einem Fondsvolumen von 1'115 Mio. Fr. und einer TER von 0.49 Prozent p.a. gehört der ETF zu den grossen und kosteneffizienten Produkten im KI-Segment.
Kaum ein anderes Asset reagiert sensibler auf den Wechsel von Risk-off zu Risk-on als Bitcoin. Was das erste Quartal mit einem Minus von -23.4 Prozent schmerzhaft unter Beweis gestellt hat, kann bei einer Stimmungsumkehr entsprechend stark in die Gegenrichtung wirken. Der 21shares Bitcoin ETP ermöglicht den regulierten Zugang zur Kursentwicklung von Bitcoin über eine physisch besicherte Inhaberschuldverschreibung, ohne dass Anleger selbst digitale Verwahrungslösungen benötigen. Das ETP weist ein Fondsvolumen von 443 Mio. Fr. auf. Die TER beträgt 1.49 Prozent pro Jahr.
Fazit: Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran ist fragil, und ob er trägt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Wer das Best-Case-Szenario für plausibel hält, findet in den drei vorgestellten Produkten eine aufeinander abgestimmte Positionierung: Der Vanguard Asia Pacific ETF setzt auf den zyklischen Aufholeffekt in Südkoreas Halbleitersektor, der L&G AI ETF nutzt die durch den Q1-Rücksetzer entstandene Bewertungsgelegenheit in einem strukturellen Wachstumsthema und der 21shares Bitcoin ETP bildet die risikobewusste High-Beta-Komponente für den Fall einer breiten Risk-on-Rückkehr.
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