| ETF-Kolumne |
11.06.2025 10:30:00
|
Gold: Zeit der Krisenwährung
Gold fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden - als Symbol für Reichtum, Sicherheit und Beständigkeit. In wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeiten rückt das Edelmetall erneut in den Fokus von Investoren und Entscheidungsträgern.
Zweifel am Privileg
Trumps permanente Zolldrohungen sorgen zusammen mit seinen Angriffen auf die Unabhängigkeit der Notenbank für ein hohes Mass an Verunsicherung. «Internationale Investoren beginnen damit, das "exorbitante Privileg" und den Safe-Haven-Status des US-Dollars zu hinterfragen», stellt J.P. Morgan fest. Bis dato würden sich ausländische Kapitalgeber darauf verlassen, dass ihre USD-Assets sicher sind und dass sie fair behandelt werden. Die Vereinigten Staaten konnten auf diese Weise ein immenses Handelsdefizit gegenfinanzieren und dank eines robusten Wirtschaftswachstums sämtlichen Verpflichtungen nachkommen. «Eine unabhängige Federal Reserve ist bereit, als Kreditgeber der letzten Instanz zu fungieren und die Liquidität und Stabilität der Märkte zu gewährleisten», ergänzen die Analysten der Grossbank. Sollte die internationale Investorengemeinschaft den skizzierten Status tatsächlich hinterfragen, würde sehr viel auf dem Spiel stehen. «In den letzten fünf Jahrzehnten haben ausländische Investoren kontinuierlich US-Finanzvermögen angehäuft», stellt J.P. Morgan fest.
Schwacher Dollar, starkes Gold
Laut Zahlen aus dem Fed kamen Ende 2024 knapp USD Bio. 57 zusammen - rund 200% des Bruttoinlandsprodukts der USA. Neben Direktinvestitionen besteht der Grossteil dieser Summe aus Unternehmens- und Staatsanleihen sowie Aktien. Allein seit der Jahrtausendwende haben die von internationalen Anlegern gehaltenen USD-Assets um mehr als den Faktor sieben zugenommen. Schon jetzt lastet der ramponierte Status der USA auf dem US-Dollar. Ende April ist der U.S. Dollar Index - dieser Gradmesser zeigt die Entwicklung des Greenbacks relativ zu Währungen wichtiger US-Handelspartner - auf ein Dreijahrestief gefallen. Praktisch zeitgleich kostete die Feinunze Gold zum ersten Mal USD 3'500. Zwar konnte die Krisenwährung dieses Spitzenniveau nicht halten, doch J.P. Morgan bleibt im Lager der Bullen. Die Analysten sehen das Edelmetall in einer strukturellen Aufwärtsbewegung. Diese würde vor allem von dem durch den Zollstreit verursachten Risiko einer Rezession und Stagflation getrieben. «Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis bis zum vierten Quartal 2025 einen Durchschnittswert von USD 3'675 je Feinunze erreicht», schreibt die US-Bank. Im ersten Semester des kommenden Jahres könnte das Edelmetall die runde Marke von USD 4'000 ansteuern.
Eine gewagte Hypothese
Soweit die kurzfristige Prognose. Gerade hat J.P. Morgan an der Wall Street und darüber hinaus mit einer gewagten Hypothese für Aufsehen gesorgt. Das Commodity Research unterstellt darin, dass internationale Investoren ihre Dollarbestände in Richtung der Krisenwährung verschieben könnten. «Eine potenzielle Umschichtung von nur 0.5% des ausländischen US-Vermögens in Gold könnte eine jährliche Rendite von 18% erbringen und den Goldpreis bis Anfang 2029 in Richtung USD 6'000 treiben», schreiben die Analysten. Ein Argument ist die Tatsache, dass der Goldmarkt relativ klein ist. Insofern könnte eine zusätzliche Nachfrage die Notierung deutlich bewegen. J.P. Morgan erachtet das begrenzte Wachstum der Produktion als Basis für eine weitere Verteuerung des Edelmetalls.

Bergbaukonzerne im Fokus
«In den vergangenen zehn Jahren stagnierte das Angebot an neuen Minen mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 1%», stellen die Experten fest. Sie machen keinen Hehl daraus, dass die Bergbauunternehmen neuerdings mehr Kapital in die Ausweitung der Kapazitäten stecken. Doch das ändert nichts daran, dass der Grossteil des verfügbaren Goldes bereits oberirdisch lagert. Das World Gold Council (WGC) taxiert die 2024 als Schmuck, Barren, Münzen oder in einer anderen Form vorhandene Menge auf mehr als 216'000 Tonnen. Mit rund 3'700 Tonnen bewegt sich der jährliche Goldabbau in Minen nur bei weniger als 2% dieser Menge. Weitere knapp 1'400 Tonnen kommen aus dem Recycling. Allerdings hat die Gold-Wiederaufbereitung trotz der Preisrallye zuletzt nachgegeben. So oder so wartet jede Menge Arbeit auf den Bergbausektor. Das gilt umso mehr, wenn der Run auf das wichtigste Edelmetall weiter zunimmt.
Über den Autor
Simon Przibylla
Simon Przibylla arbeitet seit 2010 in der Abteilung Public Solutions bei Leonteq. Während seiner Zeit hat Simon die Entwicklung im Bereich des öffentlichen Vertriebs massgeblich beeinflusst. Er begann seine Karriere bei UBS und Deutsche Bank. Simon hat ein Diplom in technischer Volkswirtschaftslehre des Karlsruher Institut für Technologie.
Kann KI persönliche Finanzberatung ersetzen? Gzim Hasani zu Gast im BX Morningcall
smzh-CEO und Partner Gzim Hasani spricht im BX Morningcall über den Aufbau der Finanzberatung smzh, Führung in einem stark gewachsenen Unternehmen und den Einsatz von KI.
Das Gespräch zeigt, wie Gzim Hasani persönliche Beratung, ganzheitliche Koordination und technologische Unterstützung zusammendenkt. Ausgehend von seinem Wechsel vom Banking ins Unternehmertum erläutert Gzim Hasani, wie smzh gewachsen ist, wie Partnerschaften anhand von Reputation, Aktivierung und neuen Kontakten beurteilt werden und weshalb er Druck vor allem als Verantwortung versteht.
Weitere Themen sind die Rolle von KI im Beratungsalltag, seine Aufteilung zwischen Kundenarbeit, Steuerung und Innovation sowie die langfristige Vision eines zugänglicheren Family-Office-Ansatzes.
https://bxplus.ch/bx-musterportfolio/
Inside ETF
ETF-Finder
Meistgelesene Nachrichten
ETF Kategorien
| Alternative Investmentfonds | Aktienfonds |
| Immobilienfonds | Sonstige Fonds |
Grösste ETF Gesellschaften
| Amundi ETF | Invesco |
| ComStage | db x-trackers |
| iShares plc | Lyxor AM |
| UBS ETF | State Street SPDR |
Börse aktuell - Live Ticker
Dow schlussendlich schwächer -- SMI geht kaum verändert in den Feierabend -- DAX beendet Handel wenig bewegt -- Asiens Börsen letztlich im PlusDer heimische sowie der deutsche Aktienmarkt tendierten seitwärts. An der Wall Street ging es in verschiedene Richtungen. Die Börsen in Asien verzeichneten im Dienstagshandel Gewinne.


