Berkshire Hathaway Aktie 10926529 / US0846707026
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| Buffett-Indikator & Co. |
11.09.2026 22:42:00
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Droht der Crash? Warum die Börsenhistorie dagegen spricht
Rekordstände bei den grossen US-Indizes treffen derzeit auf historisch angespannte Bewertungskennzahlen.
• Laut Crestmont Research endete seit dem Jahr 1900 jeder rollierende 20-Jahres-Zeitraum des S&P 500 mit einem positiven Gesamtertrag
• Langfristiges Investieren in breit gestreute, wettbewerbsstarke Unternehmen gilt als historisch belastbarster Ansatz
Rekordhoch trotz Crash-Sorgen
Der S&P 500 und der Dow Jones Industrial Average haben in den vergangenen Monaten mehrfach neue Höchststände markiert, doch zeitgleich wächst unter Marktteilnehmern die Unruhe über eine mögliche Korrektur. Dieses Nebeneinander aus Rekordkursen und Vorsicht spiegelt sich in der wöchentlichen Sentiment-Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) wider. Für die Woche zum 12. August dieses Jahres wies die Erhebung laut AAII einen Anteil von 34,7 Prozent optimistisch gestimmter Privatanleger aus, während 37,9 Prozent von fallenden Kursen ausgingen und 27,4 Prozent neutral blieben. Damit dominierte die pessimistische Einschätzung knapp vor der optimistischen, nachdem der Neutral-Anteil laut AAII binnen einer Woche um 2,4 Prozentpunkte gestiegen war. Bereits Ende Juli hatte die bullishe Quote laut AAII bei nur 31 Prozent gelegen, während zeitgleich 42,1 Prozent der Teilnehmer eine bearishe Haltung einnahmen. Diese Schwankungsbreite innerhalb weniger Wochen verdeutlicht, wie unsicher die kurzfristige Einschätzung der Marktrichtung selbst unter erfahrenen Privatanlegern ausfällt.
Diese Warnsignale schürten die Angst vor einem Börsenabsturz
Zwei Kennzahlen stehen im Zentrum der aktuellen Diskussion um eine mögliche Überbewertung des US-Aktienmarkts. Zum einen der sogenannte Buffett-Indikator, benannt nach Warren Buffett, der ihn nach eigener Aussage als "wahrscheinlich das beste einzelne Mass dafür, wo die Bewertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt stehen" bezeichnet hat. Der Indikator setzt die gesamte Marktkapitalisierung der US-Börsen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten. Laut Angaben von buffettindicator.org lag der Wert am 31. August 2026 bei 239,8 Prozent, bei einer Marktkapitalisierung von 77,8 Billionen US-Dollar gegenüber einem annualisierten Bruttoinlandsprodukt von 32,5 Billionen US-Dollar. Damit befindet sich der Indikator klar in der Zone "stark überbewertet", die laut Definition der Plattform oberhalb von 135 Prozent beginnt. Auf Quartalsbasis berechnet, wie es etwa auf Basis von Notenbankdaten und Angaben des US-Handelsministeriums üblich ist, hatte der Indikator im vierten Quartal 2025 bereits einen Stand von 228,7 Prozent erreicht, den bis dahin höchsten je gemessenen Quartalswert seit Beginn der Datenreihe 1947. Die beiden Werte sind wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden und Stichtage nicht unmittelbar vergleichbar, zeigen in der Tendenz aber beide eine historisch aussergewöhnliche Bewertung an.
Zum anderen richtet sich der Blick auf das Shiller-CAPE-Ratio, das von Yale-Ökonom Robert Shiller entwickelte zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500. Es setzt den aktuellen Indexstand ins Verhältnis zum inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der vergangenen zehn Jahre und soll dadurch kurzfristige Gewinnschwankungen ausgleichen. Wie The Motley Fool berichtet, lag der Shiller-CAPE-Wert am 10. August bei 42,37 Punkten und damit rund 144 Prozent über seinem seit Januar 1871 gemessenen langjährigen Mittelwert von 17,4. Höher lag die Kennzahl in ihrer gesamten Historie nur ein einziges Mal, im Dezember 1999 kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase, als sie einen bis heute gültigen Höchststand von 44,19 Punkten erreichte. Der laufende Bullenmarkt selbst hatte laut Motley Fool bereits am 1. Juni 2026 einen Zwischenhöchststand von 42,84 Punkten markiert.
Buffett-Indikator und Shiller-CAPE
Beide Indikatoren messen unterschiedliche Aspekte derselben Grundfrage, ob Aktien im Verhältnis zur wirtschaftlichen Realität teuer geworden sind. Der Buffett-Indikator bezieht die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes als Referenzgrösse ein und gilt damit als Mass für die Bewertung des Aktienmarkts im Verhältnis zur realen Wirtschaft. Ein Nachteil dieser Kennzahl liegt darin, dass sie durch die wachsende Auslandsumsatzquote US-amerikanischer Unternehmen im Zeitverlauf systematisch nach oben verzerrt wird, da der S&P 500 laut buffettindicator.org im Jahr 2026 rund 41 Prozent seiner Umsätze im Ausland erzielt, gegenüber lediglich 20 Prozent im Jahr 1970. Aus diesem Grund weist die Plattform neben dem klassischen Wert von 239,5 Prozent auch einen um diesen Effekt bereinigten Wert von 115 Prozent aus, der die Einordnung deutlich moderater ausfallen lässt.
Das Shiller-CAPE-Ratio verfolgt einen anderen Ansatz und bewertet ausschliesslich den Aktienmarkt selbst, indem es den aktuellen Kurs auf den zehnjährigen Durchschnittsgewinn bezieht statt auf den Gewinn eines einzelnen Jahres. Diese Glättung soll verhindern, dass ein einzelnes aussergewöhnlich gutes oder schlechtes Geschäftsjahr die Bewertung verzerrt. Beide Kennzahlen liefern damit unabhängig voneinander ein ähnliches Signal, nämlich dass der US-Aktienmarkt nach historischen Massstäben aktuell hoch bewertet ist. Keine der beiden Kennzahlen erlaubt jedoch eine Aussage über den Zeitpunkt einer möglichen Korrektur, da hohe Bewertungen über Jahre hinweg bestehen bleiben können, bevor sich eine Marktbewegung einstellt.
Warum ein Börsenabsturz Langfristanleger nie geschlagen hat
Trotz dieser Warnsignale liefert die Marktgeschichte laut einer Analyse von Crestmont Research einen bemerkenswerten Befund. Das Analysehaus untersuchte sämtliche rollierenden 20-Jahres-Zeiträume des S&P 500 auf Basis von Daten bis zurück ins Jahr 1900, also noch vor der offiziellen Einführung des Index im Jahr 1923. Der erste betrachtete Zeitraum umfasst demnach die Jahre 1900 bis 1919, der letzte reicht von 2006 bis 2025. Insgesamt ergaben sich laut Motley Fool auf dieser Grundlage 107 rollierende 20-Jahres-Zeiträume, die sämtlich mit einem positiven annualisierten Gesamtertrag endeten, sofern Dividenden in die Berechnung einbezogen wurden. Das gilt unabhängig davon, welche Krisen der jeweilige Zeitraum umfasste, darunter die Weltwirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg, die Ölkrisen der 1970er Jahre, die Finanzkrise 2008 oder das Platzen der Dotcom-Blase.
Diese Beständigkeit unterscheidet den langfristigen Anlagehorizont grundlegend von kurzfristigen Spekulationsversuchen, bei denen der Zeitpunkt des Einstiegs und Ausstiegs über Erfolg oder Verlust entscheidet. Ergänzend zeigen Daten der Bespoke Investment Group, auf die sich Motley Fool bezieht, dass der S&P 500 seit Beginn der Weltwirtschaftskrise im September 1929 insgesamt 27 Rückgänge von mindestens 20 Prozent verzeichnete, deren Tiefpunkt im Schnitt nach lediglich 286 Kalendertagen erreicht war. Kein Bärenmarkt in diesem Zeitraum dauerte länger als 630 Kalendertage, während sich Bullenmärkte im Schnitt über 1'023 Kalendertage erstreckten, also etwa 3,6-mal so lange. Wer über zwei Jahrzehnte investiert bleibt, profitiert damit von der grundsätzlichen Tendenz wachsender Volkswirtschaften und steigender Unternehmensgewinne, die zwischenzeitliche Rückschläge über einen ausreichend langen Zeitraum regelmässig ausgeglichen hat. Entscheidend ist dabei, dass diese Erfolgsquote sich auf den breiten Marktindex bezieht und nicht auf beliebige Einzeltitel, deren individuelle Wertentwicklung erheblich von der des Gesamtmarkts abweichen kann.
Paul Schütte, Redaktion finanzen.ch
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