Desaströse Zustände 28.11.2022 23:24:00

Dubiose Transaktionen: Millionen an Investorengeldern angeblich in die Taschen von FTX-Gründer Sam Bankman-Fried geflossen

Dubiose Transaktionen: Millionen an Investorengeldern angeblich in die Taschen von FTX-Gründer Sam Bankman-Fried geflossen

Der überraschende Zusammenbruch der Kryptobörse FTX sendete zuletzt Schockwellen in den Kryptosektor. Im Zuge des Insolvenzverfahrens werden weitere dubiose Transaktionen und Verflechtungen öffentlich.

• Insolvenzverfahren deckt desaströse Zustände in der Finanzabteilung von FTX auf
• Fehlende Unterlagen aber auch Hinweise auf Verschleierung von Transaktionen
• Verschwundene Kundengelder: Fehleinschätzung oder persönliche Bereicherung?

Die unzulässigen Verflechtungen zwischen den beiden Bankman-Fried-Unternehmen FTX.com und dem Tradingunternehmen Alameda Research wurden jüngst in einem CoinDesk-Artikel aufgedeck. Nachdem Binance-Chef Changpeng Zhao angekündigt hatte, seine FTT-Token zu verkaufen, löste er damit bei den Anlegern einen Massenabverkauf aus. Eine vermeintlich getroffene Vereinbarung zur Übernahme von FTX durch Binance ist nur wenige Stunden später geplatzt.

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Es folgte die Ankündigung der Zahlungsunfähigkeit von Sam Bankman-Fried sowie die formelle Anmeldung der Insolvenz von FTX.

Insolvenzverfahren offenbart nicht nur Lücken in der Buchhaltung

Im vergangenen Oktober hatte sich FTX in einer Finanzierungsrunde eine Finanzspritze von 420 Millionen US-Dollar sichern können, die zur Weiterentwicklung des Unternehmenswachstums und der Nutzerfreundlichkeit sowie der Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden verwendet werden sollte. Das Wall Street Journal berichtet nun, dass durch einen Verkauf von Friedman-Banks' Anteilen sowie vermeintlicher Rückzahlungen für Einlagen ein Grossteil der Gelder, nämlich 300 Millionen US-Dollar, nicht an FTX, sondern an SBF direkt gingen.

Der Insolvenzverwalter und derzeitige CEO von FTX, John J. Ray, zeigt sich entsetzt über den Zustand der Finanzbuchhaltung, die weit über die vielzitierten "chaotischen Zustände" hinausgehe. "In meinem ganzen Berufsleben habe ich noch kein solches Versagen der internen Kontrollsysteme und ein so vollständiges Fehlen vertrauenswürdiger Finanzinformationen erlebt wie hier", wird John J. Rays Beschreibung der buchhalterischen Situation gegenüber dem Insolvenzgericht in zahlreichen Medien zitiert. Eine kleine Gruppe unerfahrener Personen habe die Geschicke der Firma ohne grundsätzliches Verständnis von buchhalterischen Prinzipien geleitet.

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Die Liste der Vergehen und Versäumnisse ist lang: fehlende Übersichten über Barbestände, Bankkonten oder Zeichnungsberechtigte; Zahlungsgenehmigungen mittels Smileys im Firmenchat, gelöschte Kommunikationen zwischen CEO und Mitarbeitern. Zudem sei eine Kontrolle der Finanzen durch eine regulierende Behörde nicht erfolgt, da das Unternehmen auf den Bahamas ansässig ist. Besonders herauszustellen ist bei der von Ray als "beispiellos" dargestellten Gesamtsituation aber der Vorwurf, die Softwaresysteme von FTX seien "kompromittiert" gewesen, um Transaktionen zu Alameda zu ermöglichen und damit den missbräuchlichen Abfluss von Kundengeldern zu kaschieren.

Da bislang unklar ist, wohin die Millionen-Einlagen der Kunden und bekannten Investoren geflossen sind, liegt der Verdacht nahe, dass eine Gruppe um den ehemaligen CEO sich in grossem Stil selbst bereichert habe. Die FAZ berichtet etwa darüber, dass Alameda Research mehrere Kredite mit einem Gesamtvolumen von 4,1 Milliarden US-Dollar an ranghohe Mitarbeiter, Bankman-Fried selbst sowie zur Gruppe gehörende Unternehmen vergeben habe.

Der ehemalige Krypto-Shootingstar im Fokus

In einem via Twitter mehr durch Zufall geführten Interview mit dem VOX-Journalisten Kelsey Piper bezeichnet SBF das Insolvenzverfahren als grössten Fehler, da die Finanzen nun ausserhalb seiner Kontrolle lägen. Die Verantwortlichen bei FTX, die mittlerweile Vorwürfe gegen den ehemaligen Chef erheben, würden nun "aus Scham versuchen, alles in Schutt und Asche zu legen", so Bankman-Fried. Seine Priorität sei zwar, die acht Millionen US-Dollar aufzutreiben, mit denen die Anleger entschädigt werden könnten, dies sei nun aber durch das Verfahren zusätzlich erschwert, da neben dem Finden von Investoren nun sowohl die Gläubiger als auch das Konkursgericht zustimmen müssten.

Ein interessanter Punkt, der in dem Interview angesprochen wird, ist die Frage nach den Investitionen der Anleger an der Börse. Zunächst hatte SBF immer verneint, die Gelder seiner Kunden an der Börse angelegt zu haben, musste nun aber zugeben, dass das Schwesterunternehmen Alameda "weit mehr Geld aus der FTX-Bilanz für Investitionen geliehen hat, als ihm bewusst war, was FTX letztendlich anfällig für das Krypto-Äquivalent eines Bank-Runs machte", so Piper.

Piper wiederholt auch eine Frage, die er bereits im vergangenen Sommer in einem Interview gestellt hatte, und zwar die danach, ob Bankman-Fried es für vertretbar halte, im Sinne des "Allgemeinwohls" auch unethische Dinge zu tun. SBF sowie auch die ehemalige CEO von Alameda, Caroline Eddison, sind Vertreter des "Effektiven Altruismus", also der Idee, das Leben möglichst vieler Menschen durch einen optimalen Einsatz der beschränkten Ressourcen zu verbessern. Auf die Frage, wie weit er dabei gehen würde, bleibt SBF aber bei Allgemeinplätzen. Politisch brisant könnte dies für die US-Demokraten werden, denn Bankman-Fried steht auf der Liste der grössten politischen Spender auf Rang sechs und unterstützte die Zwischenwahlen mit Millionenbeträgen.

Redaktion finanzen.ch


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