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Experten-Kolumne 12.06.2026 10:28:30

Ein Signal der EZB

Ein Signal der EZB

Wie erwartet hat die EZB bei ihrer heutigen Sitzung ihre drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Die Entscheidung fiel einstimmig und stand voll und ganz im Einklang mit den Erwartungen nach der Sitzung im April sowie den eher restriktiven Äusserungen der Mitglieder des EZB-Rats in den letzten Wochen.

Für die Märkte war die Entscheidung an sich nicht das Entscheidende. Die entscheidende Frage war, welche Signale diese Sitzung für den künftigen Kurs der Zinsen und den wahrscheinlichen Zeitpunkt weiterer Straffungsmassnahmen aussendet. In dieser Hinsicht hatten die Pressekonferenz und die aktuellen Prognosen der Experten mehr Gewicht als die Zinserhöhung selbst.

Die jüngsten Prognosen zeigten, dass das Wachstum nur geringfügig nach unten korrigiert wurde, während die Inflationsentwicklung deutlich nach oben angepasst wurde. Das deutlichere Inflationsprofil untermauerte die Argumente für eine Zinserhöhung und deutete darauf hin, dass die EZB sich weiterhin mehr um anhaltenden Preisdruck als um eine schwächere Konjunktur sorgt. Ein schwächeres Wachstum war eindeutig ein zweitrangiges Anliegen. Der EZB-Rat war bereit, über die schwache Konjunktur hinwegzusehen, solange sich der Euroraum in einem Umfeld mit geringem Wachstum befand und nicht in eine Rezession abrutschte.

Die aktualisierten alternativen Szenarien zum Krieg im Nahen Osten legten den Fokus zudem auf Folgeeffekte, steigende Inflationsrisiken und die Notwendigkeit, einen restriktiven Ton beizubehalten, um die Glaubwürdigkeit zu wahren und die Inflationserwartungen zu verankern. Entscheidend war die Formulierung in der Pressemitteilung, wonach die Entscheidung zur Zinserhöhung «über eine Reihe von Szenarien hinweg robust» sei. Dies wirkte eindeutig hawkisch, da es darauf hindeutete, dass die Argumente für eine Straffung selbst bei unterschiedlichen Schockverläufen und mittelfristigen Ergebnissen Bestand hätten. Somit wurden die Markterwartungen bestärkt, dass weitere Zinserhöhungen bevorstünden, sollte die Inflation hartnäckig bleiben.

Von Demi Angelaki, Senior Portfolio Manager bei Aviva Investors

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