Micron Technology Aktie 951691 / US5951121038
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02.07.2026 22:06:00
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Nach der Rally heftiger Einbruch voraus? Warum ein Experte vor der Micron-Aktie warnt
Trotz Rekordquartal und kräftig angehobener Bewertung bleibt Morningstar bei der Micron-Aktie auffällig vorsichtig und warnt Anleger vor dem Höhenflug.
- Morningstar hebt Microns fairen Wert auf 850 US-Dollar an
- Trotz der Anhebung gilt die Aktie laut den Analysten als überbewertet
- Für 2029 erwartet Morningstar einen scharfen Abschwung am Speichermarkt
Der Speicherkonzern Micron hat mit den jüngsten Quartalszahlen alle Erwartungen klar übertroffen, doch ausgerechnet jetzt tritt Morningstar auf die Bremse. Das Analysehaus hob seinen fairen Wert für die Aktie zwar deutlich an, auf 850 US-Dollar von zuvor 455 US-Dollar, hält das Papier damit aber weiter für klar überbewertet. Die Rekordgewinne von heute sind nach dieser Lesart bereits mehr als eingepreist, während das eigentliche Risiko erst am Ende des Jahrzehnts lauert.
Für Anleger, die dem Höhenflug hinterherlaufen, ist das eine unbequeme Botschaft. Am Mittwoch sackte die Micron-Aktie an der NASDAQ bereits um 10,57 Prozent auf 1'032,28 US-Dollar ab. Am Donnerstag ging es dann letztlich weitere 5,49 Prozent nach unten auf 975,56 US-Dollar. Seit Jahresbeginn kommt bei dem Anteilsschein dennoch weiterhin ein starkes Plus von 241 Prozent zustande.
Rekordquartal auf breiter Front
Die Basis für die jüngste Euphorie lieferten beeindruckende Geschäftszahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 28. Mai endete, kletterte der Umsatz auf 41,46 Milliarden US-Dollar. Das sind 346 Prozent mehr als im Vorjahresquartal (9,30 Milliarden US-Dollar) und rund 74 Prozent über dem Vorquartal (23,86 Milliarden US-Dollar). Die bereinigte Bruttomarge sprang auf 84,9 Prozent, nach 39,0 Prozent ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 25,11 US-Dollar, verglichen mit 1,91 US-Dollar im Vorjahresquartal. Für das vierte Quartal stellt das Management rund 50 Milliarden US-Dollar Umsatz und eine Bruttomarge von etwa 86 Prozent in Aussicht und damit noch einmal mehr als im Rekordquartal.
Warum das Analysehaus dennoch abwinkt
Trotz dieser Zahlen bewertet Morningstar die Aktie mit nur zwei von fünf Sternen und spricht Micron einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil ab. Analyst William Kerwin begründet die kräftige Anhebung des fairen Werts mit einem länger und steiler verlaufenden Aufschwung im Speichergeschäft, getragen von der Nachfrage nach Chips für Rechenzentren und künstliche Intelligenz. Zwischen diesem fairen Wert von 850 US-Dollar und dem Mittwochsschlusskurs von 1.032,28 US-Dollar klafft nach Lesart des Hauses aber weiter eine erhebliche Lücke. Der Markt, so die Botschaft, preist eine dauerhafte Ausnahmekonjunktur ein, an die die Analysten nicht glauben.
Das Risiko heisst Zyklus, nicht KI
Der Kern der Warnung ist kein Zweifel an der Nachfrage, sondern das Wesen des Geschäfts. Micron verkauft weitgehend austauschbare Speicherbausteine, deren Preise mit dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage schwanken. Momentan könne Micron die Preise praktisch frei festlegen, da das Angebot knapp ist, und die Kunden zahlen sie. Genau dieses Szenario erwartet Morningstar zwar auch noch für die nähere Zukunft, doch langfristig fällt der Ausblick anders aus.
Morningstar rechnet damit, dass ab 2028 neue Fertigungskapazitäten auf den Markt drängen, die Margen und Preise unter Druck setzen, und erwartet für 2029 einen scharfen Abschwung, in dem der Umsatz um annähernd die Hälfte fallen könnte. Das Micron-Management hält dagegen und verweist auf mehrjährige strategische Kundenverträge, die die Erträge verlässlicher machen sollen. Für Morningstar federn solche Vereinbarungen einen Abschwung zwar ab, verhindern ihn jedoch nicht.
Was für Anleger auf dem Spiel steht
Damit steht die zentrale Frage im Raum, wie lange der Preiszyklus trägt. Wer heute zu Rekordkursen einsteigt, setzt implizit darauf, dass die aussergewöhnlich hohen Margen strukturell werden und nicht bloss eine Momentaufnahme eines besonders scharfen Aufschwungs sind. Die Einstufung mit zwei Sternen und der Hinweis auf eine sehr hohe Unsicherheit zeigen, wie gross Morningstar die Spanne möglicher Ergebnisse einschätzt. Für langfristig orientierte Anleger verlagert sich das Risiko damit weg von der KI-Geschichte und hin zur Frage, wie hart der nächste Abschwung ausfällt. "Sobald diese Aktie aus welchem Grund auch immer einbricht, ist sie ein Kandidat, der - sobald der Abwärtstrend beginnt - meiner Meinung nach ziemlich schnell mit einer Kurslücke nach unten absackt", warnte daher auch Dave Sekera, Chefstratege für den US-Markt bei Morningstar, Anleger eindringlich.
Ob sich die Skepsis bestätigt, dürfte sich allerdings zuerst an den Speicherpreisen und den ab 2028 geplanten Kapazitätsausweitungen ablesen lassen.
Carolin Ludwig, Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.ch
Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.
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