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DeFi im Fokus 15.06.2026 03:38:19

Ethereum oder Solana: Welche Blockchain hat die besseren Perspektiven?

Ethereum oder Solana: Welche Blockchain hat die besseren Perspektiven?

Kaum ein Wettbewerb prägt die Kryptoindustrie derzeit stärker als jener zwischen Ethereum und Solana. Wer hat langfristig die Nase vorn?

• Ethereum und Solana mit unterschiedlichen Ansätzen
• Ethereum überzeugt mit Dezentralisierung und Sicherheit
• Solana greift mit Geschwindigkeit und niedrigen Gebühren an

Ethereum setzt auf Sicherheit, Dezentralisierung und ein mehrschichtiges Skalierungsmodell. Solana hingegen verfolgt einen kompromisslosen Ansatz mit maximaler Geschwindigkeit und extrem niedrigen Kosten direkt auf der Basisschicht der Blockchain.

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Während Ethereum 2015 von Vitalik Buterin und weiteren Mitgründern ins Leben gerufen wurde, ging Solana 2020 als Projekt von Anatoly Yakovenko an den Start. Die beiden Blockchains unterschieden sich dabei bei ihren Prämissen. So setzt es sich Ethereum zum Ziel eine maximale Dezentralisierung und Sicherheit zu gewährleisten und war dabei auch bereit dies zulasten von Geschwindigkeit zu erreichen. Daher wurde die Blockchain als Layer-1-Netzwerk konzipiert, während das Layer-2-Ökosystem schnelle Transaktionen liefern soll. In der Folge ist das Ethereum-Ökosystem zersplittert, Nutzer und Liquidität verteilen sich auf zahlreiche Netzwerke, wobei die Übergänge zwischen Layer-2-Netzwerken auch Sicherheitsrisiken darstellen.

Solana ist hingegen auf einer monolithischen Struktur aufgebaut, operiert auf einer einzigen Layer und verfügt über eine technische deutlich komplexere Struktur als das Basis-Design Ethereums. Der Vorteil dieser Läsung liegt klar in der einfacheren Nutzererfahrung und der nicht vorhandenen Zersplitterung von Liquidität.

Solana besticht mit niedrigen Gebühren

Für Nutzer schlägt sich der Unterschied der beiden Blockchain-Designs vor allem in den Gebühren nieder. Während Transaktionen auf Ethereums Hauptnetz je nach Auslastung mehrere Dollar kosten können und deshalb zunehmend auf Layer-2-Netzwerke ausgelagert werden, bewegen sich die Gebühren auf Solana meist im Bereich von Bruchteilen eines Cents. Genau dieser Kostenvorteil machte Solana in den vergangenen Jahren zur bevorzugten Heimat für Memecoins, NFT-Handel und hochfrequente Handelsstrategien.

Für Nutzer bedeutet dies konkret, dass Mikrotransaktionen, Hochfrequenzhandel, Gaming-Anwendungen oder Retail-DeFi im Mainnet ökonomisch nicht wettbewerbsfähig sind. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es über verfügbare Layer-2-Netzwerke wie Arbitrum, Optimism, Base und zkSync mittlerweile auch schnellere und günstigere Transaktionen möglich sind. Trotz dieser Erweiterung bleibt Solana jedoch auch auf dieser Ebene günstiger.

Auch bei Geschwindigkeit liegt Solana vorn

Auch bei der Geschwindigkeit liegt Solana deutlich vorne. Ethereum verarbeitet auf seiner Hauptkette lediglich einige Dutzend Transaktionen pro Sekunde und erreicht höhere Kapazitäten erst durch ein Netzwerk aus Rollups und Layer-2-Lösungen. Solana dagegen schafft mehrere hundert reale Transaktionen pro Sekunde und ist für eine deutlich höhere theoretische Kapazität ausgelegt.

Unterschiedliche Mechanismen

Ethereum basiert seit September 2022 auf dem Proof-of-Stake-Mechanismus, bei dem die Validatoren das Netzwerk durch das Staking von mindestens 32 ETH sichern. Durch diese Umstellung vom vorherigen Proof-of-Work-Verfahren konnte der Energieverbrauch des Netzwerks drastisch gesenkt werden. Die Dezentralisierung des Systems bleibt weiterhin die oberste Prämisse Ethereums.

Solana hingegen nutzt den eigens entwickelten Proof-of-History-Mechanismus in Kombination mit dem Proof-of-Stake. Beim Proof-of-History-Verfahren wird ein kryptografischer Zeitstempel genutzt, der sequenziell und verifizierbar ist und es daher für Validatoren unnötig macht, ständig zu kommunizieren, um eine Einigung zu erzielen. In der Folge ist die Latenz deutlich reduziert. Allerdings ist Solana durch die andere Basis auch weniger dezentral als Ethereum und um Validator zu werden, wird leistungsstarke Hardware benötigt, was die Einstiegshürde grösser macht.

In der Folge verfügt Ethereum über mehr als eine Million Validatoren, während Solana Stand Juni 2026 nicht einmal 1'000 auf sich vereint - Tendenz sinkend.

Ethereum mit mehr gebundenem Kapital

Ethereum bleibt in vielen wirtschaftlich relevanten Bereichen zudem die dominierende Plattform. Nach Daten von DefiLlama entfällt weiterhin der Grossteil des in DeFi-Protokollen gebundenen Kapitals auf das Ethereum-Ökosystem. Auch bei Stablecoins, institutionellen Anwendungen und der Tokenisierung realer Vermögenswerte gilt Ethereum nach wie vor als Marktführer. Solana konnte dagegen vor allem bei Handelsvolumen, Retail-Nutzern und verbraucherorientierten Anwendungen aufholen.

Auch die Stabilität bleibt ein Diskussionsthema. Ethereum kann auf eine lange Historie ohne grössere Netzwerkausfälle verweisen. Solana hatte in den vergangenen Jahren mehrfach mit Unterbrechungen und technischen Problemen zu kämpfen. Zwar wurden zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, doch die Ausfälle haben das Image des Netzwerks nachhaltig geprägt. Ursache der Ausfälle ist auch dem Aufbau des Solana-Systems geschuldet, denn wenn es unter Druck steht, hält es entweder als Ganzes, oder es fällt vollständig aus. So gab es zwischen 2021 und 2023 mehrere schwerwiegende Netzwerksausfälle. In 2024 kam noch einmal zu einem grossen Ausfall. Solana hat auf die Probleme mit verschiedenen Validator-Client-Optimierungen reagiert. Für Ende 2026 ist noch ein weiteres Upgrade, das Firedancer-Rollout, geplant, das das Netzwerk widerstandsfähiger machen soll. Bis dahin bleibt Ethereum insbesondere für institutionelle Anleger und kritische Anwendungen die sichere Option. Das Netzwerk läuft seit 2026 ohne ungeplante Unterbrechungen.

Interessant ist auch der Blick auf die Entwicklerlandschaft. Ethereum besitzt weiterhin die grösste Entwicklergemeinschaft der Branche. Gleichzeitig verzeichnete Solana zuletzt ein aussergewöhnlich starkes Wachstum bei neuen Entwicklern. Bis Ende 2025 konnte Ethereum laut BlockEden.xyz 31'869 aktive Entwickler auf sich vereinen, Solana zählte 17'708. Besonders auffällig war das Plus im Jahresvergleich, hier ging es bei Ethereum beim Wachstum von Vollzeitentwicklern um zehn Prozent zurück, während Solana ein Zuwachs von 29,1 Prozent verzeichnen konnte.

Total Value Locked

Auf Ebene des Total Value Locked (TVL) steht Ethereum weiterhin unangefochten an der Spitze. Die Kennzahl misst wie viel Kapital in Defi-Protokollen einer Blockchain gebunden ist. So vereint Ethereum Stand Mai 2026 einen TVL von rund 45 Milliarden US-Dollar auf sich, was mehr als der Hälfte des gesamten Defi-Markts entspricht.

Wie Investing.com schreibt, spricht dies dafür, dass für grosse Positionen, professionelles Asset Management und institutionelle Strategien Ethereum erst einmal nicht zu ersetzen ist.

Solana kommt hingegen auf fünf bis sechs Milliarden US-Dollar TVL, geht aus Daten von DefiLlama hervor. Auch wenn die Nutzerbasis des Netzwerks wächst, bleibt der TVL gemessen am Handelsvolumen gering.

Die Realität des Jahres 2026 spricht deshalb weniger für einen Verdrängungswettbewerb als für eine Arbeitsteilung. Ethereum entwickelt sich zunehmend zur globalen Abwicklungsschicht für grosse Kapitalströme, institutionelle Anwendungen und komplexe Finanzprodukte. Solana etabliert sich dagegen als Plattform für schnelle, kostengünstige und massentaugliche Anwendungen, bei denen Benutzerfreundlichkeit und Transaktionsgeschwindigkeit im Vordergrund stehen.

Die entscheidende Frage lautet somit nicht mehr, welche Blockchain die andere besiegt. Vielmehr wird sich zeigen, ob die Zukunft des Web3 stärker von maximaler Dezentralisierung oder von maximaler Effizienz geprägt sein wird - und ob am Ende Platz für beide Ansätze bleibt.

Martina Köhler, Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Natchapol18 / Shutterstock.com,pedrosek / Shutterstock.com,Steve Heap / Shutterstock.com
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