Zurück geht es hier Grüezi! Sie wurden auf finanzen.ch, unser Portal für Schweizer Anleger, weitergeleitet.  Zurück geht es hier.
Kurse + Charts + Realtime Nachrichten Tools Invertiert
Snapshot Chart (gross) Nachrichten Währungsrechner CHF/JPY
Historisch Realtimekurs
Kurse + Charts + Realtime
Nachrichten
Invertiert
Inverse Korrelation 15.03.2026 01:32:00

Wenn der Greenback dominiert: Warum Gold unter einem starken US-Dollar leidet

Wenn der Greenback dominiert: Warum Gold unter einem starken US-Dollar leidet

Goldpreis und US-Dollar verhalten sich meist gegenläufig. Die Nahost-Eskalation Anfang März 2026 zeigt, wie diese Dynamik in der Praxis funktioniert und warum sie manchmal auch ihre Grenzen erreicht.

Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt, was beide Anlageklassen direkt miteinander verknüpft
• Ein starker US-Dollar verteuert Gold für internationale Käufer und drückt die Nachfrage
• Ein schwacher US-Dollar macht Gold günstiger und treibt den Preis nach oben

Die strukturellen Ursachen der inversen Korrelation

Gold wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Wenn der Dollar an Wert gewinnt, steigt automatisch der Preis, den Anleger ausserhalb des Dollarraums für eine Feinunze zahlen müssen. Ein starker US-Dollar dämpft so die internationale Nachfrage nach Gold und drückt den Preis. Umgekehrt macht ein schwacher US-Dollar das Edelmetall für Käufer in Euro, Yen oder anderen Währungen günstiger, was die Nachfrage und damit den Preis steigen lässt. Dieser Mechanismus bildet das Fundament der sogenannten inversen Korrelation, die historische Daten zwischen dem US Dollar Index (DXY) und dem Goldpreis über Jahrzehnte hinweg bestätigen.

Anzeige

Dollar und andere Devisen mit Hebel via CFD handeln (long und short)

Handeln Sie Währungspaare wie Dollar mit Hebel bei Plus500 und partizipieren Sie an steigenden wie fallenden Notierungen.

CFD-Service. Ihr Kapital unterliegt einem Risiko.
Jetzt informieren

Hinzu kommt ein Substitutionseffekt: Sowohl Gold als auch der US-Dollar gelten als sichere Häfen in Krisenzeiten. Wenn Anleger in einer geopolitischen oder wirtschaftlichen Krise den US-Dollar als stabileren Zufluchtsort betrachten, fliesst Kapital aus Gold in den Dollarraum ab. In Phasen steigender US-Zinsen verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich, da Gold als zinslose Anlage an relativer Attraktivität verliert, während dollarbasierte Anleihen höhere Renditen bieten. Wie aus einer Analyse von JPMorgan Private Bank vom Februar 2026 hervorgeht, reagiert Gold weiterhin auf Bewegungen bei den Realzinsen, allerdings in asymmetrischer Weise: Es steige bei fallenden Zinsen stärker, als es bei steigenden Zinsen falle. Die Ursache liege in einer strukturellen Verschiebung von Angebot und Nachfrage, insbesondere durch die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken weltweit.

Iran-Eskalation Anfang März 2026: Die Dynamik in Echtzeit

Die Militäroperationen der USA und Israels gegen den Iran ab dem 28. Februar 2026 liefern ein anschauliches Beispiel für das Zusammenspiel von US-Dollar und Gold unter Extrembedingungen. Am Montag, dem 2. März 2026, stieg der Goldpreis zunächst um rund zwei Prozent auf ein Einmonatshoch von etwa 5'400 US-US-Dollar je Feinunze, da Anleger in den sicheren Hafen Gold flüchteten.

Doch bereits am 3. März 2026 kehrte sich das Bild um: Der DXY legte deutlich zu, nachdem Israel neue Angriffe auf Teheran und Beirut gestartet hatte und iranische Drohnen die US-Botschaft in Riad trafen. Anleger wechselten von Gold in den US-Dollar als bevorzugten sicheren Hafen, und der Goldpreis fiel im Tagesverlauf um 3,6 Prozent auf 5'137 US-Dollar je Feinunze. Bob Haberkorn, Senior Market Strategist bei RJO Futures, ordnete den Rückgang gegenüber CNBC als eine Flucht in Liquidität und in Bargeld ein. Ein starker US-Dollar und steigende Anleiherenditen hätten das Umfeld für Gold erschwert. Die Aussicht auf steigende Ölpreise und damit verbundene Inflationsrisiken schob zudem die Erwartung von Zinssenkungen der Federal Reserve weiter in die Zukunft, was Gold als zinslose Anlage zusätzlich schadete.

Warum die Korrelation nicht immer greift

Trotz der grundsätzlichen inversen Beziehung gibt es Phasen, in denen Gold und US-Dollar gleichzeitig steigen. In akuten Krisenszenarien, wie etwa zu Beginn der COVID-19-Pandemie im März 2020, flüchteten Anleger parallel in beide Anlageklassen, weil das Bedürfnis nach Sicherheit jede andere Marktlogik überlagerte. Auch in den Jahren 2023 und 2024 zeigten Gold und DXY zeitweise gleichzeitige Stärke, getrieben durch geopolitische Spannungen und massive Goldkäufe von Zentralbanken aus Schwellenländern, die ihre Dollarabhängigkeit reduzierten.

In seinem Gold Outlook 2026 vom Dezember 2025 identifizierte der World Gold Council den schwächeren US-Dollar als einen der zentralen Treiber für die Rekordperformance von Gold im Jahr 2025 mit über 50 Allzeithochs und einer Jahresrendite von mehr als 60 Prozent. Gleichzeitig wies die Organisation darauf hin, dass die Korrelation zwischen Gold und dem US-Dollar in den vergangenen Jahren begonnen habe, sich abzuschwächen. Faktoren wie Realzinsen, Inflationserwartungen, Zentralbankkäufe und systemische Risiken beeinflussten den Goldpreis zunehmend unabhängig von der reinen Dollarstärke.

JPMorgan Private Bank hob in ihrer Analyse vom Februar 2026 hervor, der DXY sei zum Zeitpunkt der Veröffentlichung rund neun Prozent überbewertet im Verhältnis zu den Zinsdifferenzen, und hob die eigene Gold-Prognose auf eine Spanne von 6'000 bis 6'300 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2026 an. Ungeachtet kurzfristiger Volatilität durch geopolitische Schocks bleibe die Bank strukturell optimistisch für Gold, da steigende Defizite, eine fortschreitende De-Dollarisierung und die anhaltenden Zentralbankkäufe den langfristigen Aufwärtstrend stützten.

D. Maier / Redaktion finanzen.ch

Weitere Links:


Bildquelle: Svetlana Lukienko / Shutterstock.com,Konstantin Chagin / Shutterstock.com,Lisa S. / Shutterstock.com