Schwieriges Umfeld |
09.06.2022 21:11:00
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Dätwyler, V-Zug und Rieter mit Gewinnwarnungen: Welche Schweizer Werte sind die nächsten?
Schweizer Industrietitel haben angesichts unterschiedlicher globaler Belastungsfaktoren aktuell einen schweren Stand. Insbesondere Lieferkettenprobleme sorgen bei den Schweizer Branchenvertretern für Planungsunsicherheit, was bei V-Zug, Rieter und Dätwyler bereits zu Gewinnwarnungen führte. Diese Schweizer Werte könnten als nächstes folgen.
• Schwieriges Umfeld aus steigenden Rohstoff-, Energie- und Transportkosten und Lieferengpässen belastet
• Grosse Zeitspanne zwischen Auftragseingang und Auslieferung stellt Herausforderung für Industrieunternehmen dar
Schweizer Industrie-Unternehmen kämpfen aktuell mit zahlreichen Herausforderungen. Allen voran sind es Lieferengpässe, die es den Branchenvertretern schwer machen, an die benötigten Komponenten zu kommen. Verantwortlich ist hierfür allen voran die Corona-Pandemie, die zwar mittlerweile in vielen Ländern der Welt am Abklingen ist, aber in der wichtigen Industrienation China noch immer starke Restriktionen mit sich bringt. Auch wenn die harten Lockdowns im Rahmen der Null-COVID-Strategie der chinesischen Regierung in den wichtigen Städten Shanghai und Peking mittlerweile gelockert wurden, muss der Lieferrückstau erst einmal wieder aufgeholt werden. Zu der ohnehin schon schwierigen Situation gesellte sich dann Ende Februar der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der Rohstoffpreise innerhalb kürzester Zeit quasi explodieren liess. Zusätzlich belasten eine hohe Inflation sowie ein abnehmendes Wirtschaftswachstum die Weltmärkte.
Zahlreiche Gewinnwarnungen im Schweizer Industriesektor
Wann genau die Lieferketten wieder zurück zur Normalität finden werden, weiss niemand, was es umso verständlicher macht, dass es insbesondere Industrie-Unternehmen extrem schwer fällt, Prognosen zu tätigen und diese auch einzuhalten. Das liess sich in den vergangenen Woche nur allzu leicht an den zahlreichen Gewinnwarnungen ablesen, die im Schweizer Industrie-Sektor ausgegeben wurden. So verlautete zunächst der Industriekonzern Dätwyler Mitte Mai, dass die steigenden Herstellungskosten, der Mangel an Komponenten sowie die Lockdown-Massnahmen in China dazu führen würden, dass die gesteckten Jahresziele nicht erreicht werden könnten. So informierte das Unternehmen, die EBIT-Marge würde nunmehr zwischen 13 und 16 Prozent liegen, im Februar war Dätwyler noch von einer Spanne von 18 bis 21 Prozent ausgegangen. Die Dätwyler-Aktie wurde dementsprechend abgestraft, bis zum Handelsende des Berichtstages ging es mehr als 16 Prozent abwärts.
Wenige Tage später folgte V-Zug mit der Hiobsbotschaft: Auch der Hersteller von Haushaltsgeräten sah sich aufgrund der anhaltenden Lieferkettenprobleme und der zunehmenden Beschaffungskosten gezwungen, seine Prognosen aufzugeben. Mitte März hatte es noch geheissen, für das erste Semester sei ein EBIT auf Höhe des zweiten Halbjahres 2021 angestrebt, im Gesamtjahr 2022 solle es hingegen 10 Prozent aufwärts gehen. Einen Ausblick traute sich das Unternehmen ""wegen des unsicheren Zeithorizonts bezüglich einer Normalisierung in den Zulieferketten" nicht zu, wie V-Zug in einer Pressemitteilung erklärte. Auch hier ging es für die V-Zug-Aktie nach der Gewinnwarnung letztlich über sieben Prozent abwärts.
Als nächster Industriekonzern gesellte sich kurz darauf Rieter zu den Ausgebern von Gewinnwarnungen hinzu. Auch hier wurde auf die globalen Lieferengpässe und Lockdown-Massnahmen in China verwiesen. Statt einem Gewinn im ersten Halbjahr 2022 sieht der Spinnereimaschinenhersteller nun gar einen Verlust voraus. Genauere Aussagen zum Ausblick wolle das Unternehmen jedoch erst am 19. Juli veröffentlichen. Der Kursrutsch der Rieter-Aktie in Reaktion auf die Gewinnwarnung blieb jedoch aus.
Spanne zwischen Bestellung und Auslieferung sehr gross
Dass es insbesondere Industriewerten angesichts des aktuell herausfordernden Umfelds schwer fällt, einen Ausblick zu tätigen, liegt daran, dass oftmals zwischen Auftragseingang und Auslieferung viel Zeit liegt. Kommt es in der Zwischenzeit nämlich zu steigenden Rohstoff- oder Transportkosten, können diese nicht mehr unbedingt an den Kunden weitergegeben werden. So verringert sich die Marge, ohne dass das Unternehmen dies rückwirkend ändern könnte. So meint Remo Rosenau von der Helvetischen Bank gegenüber The Market: "Allgemein leiden langzyklische Geschäftsmodelle unter einer Verzögerung, bis sich ihre Preiserhöhungen auf den Umsatz auswirken.". So könnten Schweizer Unternehmen wie ABB, Stadler Rail oder auch Implenia darunter leiden, dass sie langandauernde Projektgeschäfte betreiben. Hier wäre es schwierig im Nachhinein den Preis nachzuverhandeln. Auch die Hersteller von Maschinen, wie der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler, sehen sich mit diesem Problem konfrontiert. Denn auch hier liegen zwischen Bestellung und Auslieferung mehrere Monate oder gar mehr als ein Jahr, in denen steigende Rohstoffkosten die Margen belasten können. Wie Rosenau jedoch erklärt, würde sich dies erst deutlich später in den Bilanzen der Unternehmen widerspiegeln.
Nächster Kandidat Bystronic?
Das trifft auch auf den Hersteller von Maschinen zur Blechbearbeitung Bystronic zu. Das Unternehmen verlautete in einer Aussendung Mitte April, dass sich die Auslieferung grösserer Systemlösungen aufgrund von Lieferengpässen verzögere und daher ein EBIT unter Vorjahr erwartet werde. Gleichzeitig bekräftigte Bystronic jedoch die Absicht, das Umsatzwachstum im Gesamtjahr um zehn bis zwölf Prozent, sowie die EBIT-Marge um acht bis neun Prozent zu steigern. Im zweiten Halbjahr erwarte die Gruppe eine verbesserte Leistung, was jedoch auf der Annahme basiere "[...], dass sich das aktuelle Marktumfeld verbessert." Das ist laut einem nicht näher benannten Analysten, der von The Market zitiert wird, jedoch eine gewagte These: "Die Margenerwartungen im ersten Halbjahr liegen zwischen 6 und 6,5%. Will Bystronic die anvisierten 8 bis 9% im Gesamtjahr erreichen, muss die Marge im zweiten Halbjahr massiv steigen. […] Sollten sich die konjunkturellen Aussichten in den USA und China gar verschlechtern, ist die Beschleunigung im zweiten Halbjahr erst recht Geschichte." Hier könnte es also ebenfalls zu einer Gewinnwarnung kommen, schliesslich ist schwer vorherzusehen, inwiefern sich die Lieferkettensituation bis Jahresende entwickeln wird.
Etwas bessere Aussichten hätten hingegen jene Industrieunternehmen, die Komponenten herstellen, die in kürzerer Zeit an ihre Kunden ausgeliefert werden können, hier führt der Research-Leiter der Helvetischen Bank Rosenau Geberit, Sika und EMS-CHEMIE als Beispiele für Unternehmen an, "wo sich Preiserhöhungen relativ schnell in den Büchern zeigen." Darüber hinaus lobt er jene Konzerne, die sich durch stetige Verbesserungen und Innovationen von Konkurrenten abheben und somit auch Preiserhöhungen besser durchsetzen könnten.
Swissmem-Präsident bleibt optimistisch für Schweizer Industrie
Im Übrigen zeigt sich Swissmem-Präsident Martin Hirzel trotz des weiterhin schwierigen Umfeld optimistisch, was die Schweizer Industrie angeht, wie er Ende April in der Samstagsrundschau von Radio SFR erklärte, da die Beschäftigung in den letzten Jahren gestiegen sei und auch nach der Corona-Pandemie mehr Menschen angestellt worden seien. Darüber hinaus betonte er, dass er sich keine Sorgen um die Schweizer MEM-Firmen mache, da diese agil seien "und in ihrer Nische Technologien entwickeln und Weltmarktführer sind".
Redaktion finanzen.ch
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