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Smart Grids im Fokus 28.09.2026 15:50:00

Stromnetze am Limit: Die zweite Wette auf den KI-Boom

Stromnetze am Limit: Die zweite Wette auf den KI-Boom

Der Stromhunger von KI-Rechenzentren trifft auf ein Netz, das schon heute an seine Grenzen stösst. Damit rücken Unternehmen in den Fokus, die Strom erzeugen, übertragen und die Infrastruktur modernisieren.

Der nächste Engpass des KI-Booms könnte kein Chip sein, sondern das Stromnetz. Neue Daten von S&P Global vom 25. September zeigen, wie angespannt die Lage in den USA bereits ist. In den sechs Strommärkten, für die monatliche Daten vorliegen, mussten bis Juli 2026 insgesamt 23.8 Mio. MWh erneuerbarer Strom abgeregelt werden, weil Netze und Nachfrage nicht mit dem Ausbau der Erzeugung Schritt halten konnten. Das waren 17.5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auch finanziell werden die Engpässe immer sichtbarer. In sechs grossen US-Strommärkten summierten sich die sogenannten Congestion Costs 2025 auf 11.1 Mrd. USD, etwa 33 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vereinfacht gesagt entstehen diese Kosten immer dann, wenn günstiger Strom wegen überlasteter Leitungen nicht dorthin transportiert werden kann, wo er benötigt wird. Neue Kraftwerke und Solaranlagen allein lösen das Problem also nicht. Der Strom muss auch zum Verbraucher gelangen.

Genau hier trifft ein ohnehin alterndes Stromnetz auf einen neuen Nachfrageboom. KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen Energie und die geplanten Kapazitäten wachsen schneller, als neue Stromerzeugung und Netzanschlüsse entstehen. Morgan Stanley erhöhte am 21. September seine Prognose für die verbleibende Versorgungslücke amerikanischer Rechenzentren bis 2028 zuletzt auf 33 Gigawatt. Das entspricht etwa 34 Prozent der zusätzlichen 97 Gigawatt Stromleistung, die nach Berechnungen der Bank für die erwarteten Chip-Installationen benötigt werden könnten.

Ohne neue Leitungen, Transformatoren, Schaltanlagen, Speicher und intelligente Netzsteuerung lässt sich der steigende Strombedarf also kaum bewältigen. Gleichzeitig treiben Elektroautos, erneuerbare Energien und die fortschreitende Elektrifizierung der Industrie denselben Trend voran. Für Anleger entsteht damit nach den Chips eine Art zweite Wette auf den KI-Boom.

Am direktesten lässt sich das Thema mit dem First Trust Nasdaq Clean Edge Smart Grid Infrastructure UCITS ETF A USD Acc abbilden. Der Fonds investiert weltweit in Unternehmen, die an Stromnetzen, elektrischer Infrastruktur und Smart-Grid-Technologien beteiligt sind und legte in den letzten drei Jahren um über 82 Prozent zu. Mit einem Fondsvolumen von 2'355 Mio. Fr. ist er der mit Abstand etablierteste der drei Ansätze. Die Gesamtkostenquote beträgt 0.63 Prozent, der ETF repliziert physisch und thesauriert seine Erträge. An der Spitze stehen mit Schneider Electric, Johnson Controls und Eaton drei Unternehmen, die besonders stark vom Ausbau und der Modernisierung elektrischer Infrastruktur profitieren. Auf Jahressicht kommt der Fonds aktuell auf ein Plus von 26 Prozent bei einem US-Anteil von etwa 25 Prozent.

Breiter und günstiger setzt der erst Ende März lancierte Xtrackers Electrification Technologies & Smart Grid UCITS ETF 1C an. Neben klassischer Netzinfrastruktur berücksichtigen die 100 Positionen auch Unternehmen aus Stromerzeugung, Energiespeicherung und Technologien rund um die Elektrifizierung. Die Gesamtkostenquote liegt mit 0.35 Prozent deutlich unter der des First-Trust-ETF und das Fondsvolumen beträgt 128 Mio. Fr. Die grössten Positionen sind hier Hitachi, Mitsubishi und Schneider Electric. Die USA stellen auch hier nur knapp 27 Prozent des Portfolios, während auch China und Japan mit jeweils über 20 Prozent vertreten sind. Anleger setzen hier also weniger spezifisch auf den amerikanischen Netzengpass und stärker auf den weltweiten Elektrifizierungstrend. Seit der Lancierung am 21. März 2026 führte dies bereits zu einer Rendite von fast 20 Prozent.

Wer dagegen besonders gezielt auf die aktuelle Entwicklung in den USA setzen möchte, findet mit dem Global X U.S. Electrification UCITS ETF USD Accumulating die offensivste Variante. Der erst im Mai 2026 lancierte Fonds hält Unternehmen, die explizit von einer steigenden amerikanischen Stromnachfrage profitieren sollen. Seit seiner Lancierung hat der ETF jedoch erst einmal 9 Prozent verloren, wobei vor allem der hohe Anteil zinssensitiver US-Versorger durch steigende Anleiherenditen sowie zunehmende regulatorische Unsicherheit rund um Strompreise und Netzinvestitionen belastet wurde. Die Gesamtkostenquote beträgt 0.47 Prozent und die grössten Positionen sind aktuell Dominion Energy, Quanta Services und AMETEK. Damit deckt der Fonds nicht nur die Modernisierung des Stromnetzes ab, sondern auch die Frage, woher die zusätzlich benötigte Energie überhaupt kommen soll. Genau das macht ihn besonders passend zur aktuellen US-Stromknappheit. Gleichzeitig ist er mit einem Fondsvolumen von lediglich 12.3 Mio. Fr. noch sehr klein.

Fazit: Der KI-Boom endet nicht bei Chips und Rechenzentren. Je schneller die benötigte Rechenleistung wächst, desto wichtiger wird die Energieinfrastruktur dahinter. Der First-Trust-ETF bietet den etabliertesten und am stärksten auf Smart Grids fokussierten Zugang, Xtrackers setzt breiter und günstiger auf die weltweite Elektrifizierung. Der junge Global-X-ETF konzentriert sich dagegen besonders stark auf den US-Markt, in dem sich die Engpässe derzeit am deutlichsten zeigen.

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