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Börsenwarnung 16.07.2026 03:36:59

Warnsignale: Kippt der US-Aktienboom?

Warnsignale: Kippt der US-Aktienboom?

Das Auftreten eines seltenen Musters zeichnet ein zunehmend nervöses Bild von den US-Börsen. Ausgeprägte Kursdivergenzen sowie eindringliche Warnungen von Experten der Bank of America deuten auf erhöhte Risiken hin.

• Dow-NASDAQ-Divergenz erreicht historisch seltenes Ausmass
• Bank of America sieht rund 70 Prozent ihrer Bärenmarkt-Signale ausgelöst
• BofA-Chefstratege vergleicht die Lage mit der Zeit vor der Dotcom-Blase

Seltene Kursdivergenz zwischen Dow und NASDAQ

Der Dow Jones Industrial Average hat sich in den sieben Handelstagen bis zum 25. Juni 2026 deutlich besser entwickelt als der NASDAQ Composite. Wie MarketWatch-Kolumnist Mark Hulbert berichtet, stieg der Dow Jones in diesem Zeitraum um 0,5 Prozent, während der NASDAQ Composite um 5,0 Prozent nachgab. Diese Differenz von 5,5 Prozentpunkten zählt laut Hulbert zu den seltensten Ereignissen seit Auflegung des NASDAQ Composite im Jahr 1971, nur etwa ein Prozent aller Handelstage wiesen demnach eine grössere Divergenz auf. Historisch folgte auf eine derart ausgeprägte Kursschere in 66,9 Prozent der Fälle innerhalb von drei Monaten ein Bärenmarkt, während Bärenmärkte laut Hulbert statistisch nur in 24,8 Prozent aller Handelstage seit 1971 auftraten. Ein ähnliches Muster zeigte sich demnach bereits vor dem Höhepunkt der Internetblase im März 2000, dem damals ein Kursverlust des NASDAQ Composite von fast 80 Prozent folgte.

Bank of America rät zu Gewinnmitnahmen

Parallel dazu warnt die Bank of America (BofA) vor einer zunehmenden Anfälligkeit der US-Aktienmärkte. Die Strategin Savita Subramanian erklärte laut Bloomberg, dass am 25. Juni 2026 rund 70 Prozent der bankeigenen Bärenmarkt-Indikatoren ausgelöst gewesen seien, ein Niveau, das dem Durchschnitt früherer Marktspitzen entspreche. Der S&P 500 sei nach 17 von 20 betrachteten Kennzahlen statistisch teuer und werde bei acht Kennzahlen sogar höher bewertet als während der Technologieblase. Zu den herangezogenen Indikatoren zählen unter anderem das Verbrauchervertrauen, Wachstumserwartungen, Kennzahlen zu Fusionen und Übernahmen sowie die Kreditvergabe-Umfrage der Federal Reserve. Zusätzlich verwies Subramanian auf eine ungewöhnlich grosse Renditespanne zwischen den besten und schlechtesten Technologiewerten sowie auf gestiegene Kapitalausgaben der grossen Cloud-Anbieter im Verhältnis zum operativen Cashflow. Als Konsequenz empfiehlt die Bank ihren Kunden, Gewinne mitzunehmen. Ihr Jahresendziel für den S&P 500 liegt bei 7100 Punkten, der Index hatte am 25. Juni 2026 bei rund 7406 Zählern geschlossen.

Vergleich zur Dotcom-Blase und mögliche Zinswende

Auch BofA-Chefanlagestratege Michael Hartnett äusserte sich laut Börse Online besorgt über die Marktlage. Er verwies darauf, dass am 29. Mai 2026 20 Unternehmen aus dem S&P 500 auf Rekordhoch geschlossen hätten, wovon nur sieben nicht dem KI-Hype zuzuordnen gewesen seien - ein Muster, das er mit dem vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 vergleicht. Als Beleg führte er das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 an, das den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der vergangenen zehn Jahre berücksichtigt und historisch im Schnitt bei einem Wert von 17 liegt. Die Kennzahl überschritt in den vergangenen 155 Jahren nur zweimal die Marke von 40, einmal vor der Dotcom-Blase und erneut am 29. Juni 2026.

Hartnett zufolge könnte zudem eine Erhöhung der Zinsen den seit fast vier Jahren andauernden Bullenmarkt bremsen. Neel Kashkari, Präsident der Federal Reserve Bank of Minneapolis, rechnet laut Börse Online mit einer Zinserhöhung bis Jahresende 2026, nachdem er einen Monat zuvor noch eine frühere Entscheidung für verfrüht gehalten hatte. Eine Reuters-Umfrage vom 23. bis 25. Juni 2026 unter 102 Ökonomen ergab dagegen, dass 78 von ihnen von stabilen Zinsen im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent für das gesamte Jahr 2026 ausgehen.

Jonas Vogt, Redaktion finanzen.ch

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