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| ETF Anlagethemen 2026 |
03.08.2026 12:00:00
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ETF Compass Juli-Review: Krypto-ETFs als grosse Gewinner mit bis zu 28 Prozent Plus
Der Juli wirkte an der Börse insgesamt ruhig, doch im ETF Compass 2026 lagen zwischen dem grössten Verlierer und dem grössten Gewinner mehr als 40 Prozentpunkte und lieferte manche Überraschung.
Das Wichtigste in Kürze:
- An der Oberfläche kaum Bewegung, darunter eine der heftigsten Branchenrotationen des Jahres. Wie der Juli die Satelliten des ETF Compass durcheinanderwirbelte.
- Ein einzelner Chip-Schock aus Asien zog gleich mehrere ETFs nach unten, während ausgerechnet die Kryptowerte um bis zu 28 Prozent zulegten.
- Trotz aller Ausschläge bleibt jedes einzelne Core-Produkt im Plus und der beste Satellit liegt im Jahr noch immer vor dem besten Kernbaustein.
Der Juli 2026 wirkte an den Aktienmärkten auf den ersten Blick auffällig ruhig, doch unter der Oberfläche tobte eine der heftigsten Branchenrotationen des Jahres. Anleger schichteten Kapital aus teuren Technologie- und Halbleiterwerten in defensivere Titel und Kryptoanlagen um, angetrieben von neuen Zweifeln an den gewaltigen KI-Investitionen und wachsenden Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen in den USA.
Core-Produkte: Ein Fels in der Brandung
Bei den breit gestreuten Kernbausteinen war die Bewegung im Juli minimal. Der Vanguard FTSE All-World gab um 0,7 Prozent nach, der Vanguard S&P 500 um 0,9 Prozent, der Amundi Core Euro Stoxx 50 legte um 0,2 Prozent zu und der Swisscanto Schweiz-ETF verlor 0,3 Prozent. Diese Ruhe an der Indexspitze täuscht allerdings. Der S&P 500 verzeichnete zwar seinen ersten negativen Juli seit 2014, blieb dabei aber nur einen Wimpernschlag unter seinem Rekordhoch. Unter der Oberfläche hoben sich starke Cloud-Zahlen von Microsoft und Amazon einerseits und die schwächelnden Halbleiter- und Technologiewerte andererseits weitgehend gegenseitig auf, sodass die weltweit gestreuten Indizes per Saldo seitwärts liefen.
Die grosse Ausnahme war der Xtrackers MSCI Emerging Markets ETF, der um 5,6 Prozent absackte. Schwellenländerindizes hängen stark an Taiwan, Südkorea und China und damit an einigen wenigen Halbleiterschwergewichten. Ende Juli brach der südkoreanische Leitindex Kospi in nur drei Handelstagen um mehr als 17 Prozent ein, weil die Indexschwergewichte Samsung Electronics und SK hynix unter Druck gerieten. Auslöser war die Meldung, ein staatlich gestütztes chinesisches Unternehmen habe die Serienproduktion moderner DUV-Lithografiemaschinen aufgenommen, was die Sorge vor neuer Konkurrenz im Speichergeschäft schürte. Da genau diese Titel im Schwellenländer-ETF hoch gewichtet sind, traf der Chip-Ausverkauf die Region deutlich härter als den breit gestreuten Rest der Welt.
Bemerkenswert ist, dass der Emerging-Markets-ETF trotz des Rückschlags mit einem Plus von 20,5 Prozent im laufenden Jahr weiterhin der Top-Performer unter den Core-Produkten bleibt. Überhaupt notieren trotz des ruhigen Monats alle fünf Kernbausteine im Plus, von 5,8 Prozent beim Schweiz-ETF bis zu den genannten 20,5 Prozent bei den Schwellenländern. Der Kern erfüllt damit genau seine Aufgabe, nämlich Stabilität ins Depot zu bringen.
Künstliche Intelligenz und Robotik: Der Chip-Schock schlägt durch
Am deutlichsten bekam das KI- und Robotik-Segment die Halbleiterschwäche zu spüren. Alle drei ETFs gaben zwischen 7,8 Prozent beim iShares Automation & Robotics und 11,0 Prozent beim Amundi MSCI Smart Mobility nach. Hintergrund war derselbe Chip-Ausverkauf, der schon die Schwellenländer belastete, verstärkt durch neue Zweifel an der Rentabilität der KI-Milliarden. Mehrere grosse Cloud-Konzerne hoben ihre Investitionsbudgets weiter an, während zugleich ihre freien Mittelzuflüsse einbrachen, was die Anleger nervös machte.
Dass es den Smart-Mobility-ETF mit 11,0 Prozent am härtesten traf, liegt an seinen Schwergewichten. Mit NVIDIA und Tesla an der Spitze bündelt er gleich zwei besonders schwankungsfreudige Titel, die im Juli doppelt unter Druck standen, NVIDIA im allgemeinen Halbleiter-Abverkauf und Tesla in der ohnehin nervösen Stimmung rund um autonome Mobilität. Der iShares Automation & Robotics ETF hielt sich mit 7,8 Prozent Minus vergleichsweise wacker, weil er am breitesten aufgestellt ist. Auch hier gilt jedoch: Alle drei ETFs bleiben im laufenden Jahr klar im Plus, von 5,7 Prozent beim Smart-Mobility-ETF bis zu starken 28,5 Prozent beim Automation & Robotics.
Nachhaltigkeit und Green Transition: Politischer Gegenwind für die Solarwerte
Noch heftiger erwischte es den iShares Global Clean Energy ETF, der im Juli 14,9 Prozent verlor und damit den grössten Monatsverlust im gesamten Compass verbuchte. Die ESG-Varianten des USA- und des Welt-ETFs von Swisscanto kamen mit minus 4,6 beziehungsweise minus 5,4 Prozent glimpflicher davon. Beim Clean-Energy-ETF wirkte ein Bündel sektorspezifischer Probleme. In den USA lief Anfang Juli eine wichtige Frist für Steuervorteile aus dem Inflation Reduction Act aus, zusätzlich sorgten Zolluntersuchungen und fallende Modulpreise für Verunsicherung. Vor allem aber litt das grösste Schwergewicht des ETFs, der Brennstoffzellen-Hersteller Bloom Energy, trotz eines Umsatzsprungs von über 160 Prozent unter Bewertungssorgen und der Angst, steigende Finanzierungskosten der Rechenzentrumsbetreiber könnten den Investitionszyklus bremsen. Auch First Solar verlor trotz überzeugender Quartalszahlen deutlich an Wert.
Aufschlussreich ist der Vergleich mit dem stabilen, nicht nachhaltig gefilterten Welt-ETF aus dem Core, der kaum nachgab. Die beiden ESG-Fonds fielen spürbar stärker, weil ihre SDG- und ESG-Filter das Portfolio zu wachstums- und technologienahen Titeln verschieben und klassische defensive Werte untergewichten, die im Juli gefragt waren. Trotzdem steht auch in diesem Segment am Monatsende bei allen drei ETFs ein Jahresplus zu Buche, zwischen 9,9 Prozent beim Global Clean Energy und 13,2 Prozent beim World-ESG-ETF.
Unruhige Zeiten: Erste Erholungsanzeichen
Das Segment für unruhige Zeiten zeigte sich dagegen deutlich freundlicher. Der Swisscanto Gold ETF blieb mit plus 0,8 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vormonats, nachdem sich der Goldpreis nach der Korrektur des ersten Halbjahres stabilisiert hatte. Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF legte um weitere 2,7 Prozent zu und steht damit im laufenden Jahr bei 18,1 Prozent. Dividendenstarke Substanzwerte entzogen sich der Rotation aus teuren Wachstumstiteln weitgehend, und mit den wachsenden Zinssenkungshoffnungen gewannen verlässliche Ausschüttungen zusätzlich an Attraktivität. Zudem ist der ETF breit gestreut und finanzlastig, was ihm in einem von Technologieschwäche geprägten Monat half. Der Bitcoin und Gold ETP legte sogar um 5,3 Prozent zu und verringerte seinen Jahresverlust auf 27,8 Prozent, wobei der Zuwachs angesichts der ruhigen Goldentwicklung fast vollständig auf die Bitcoin-Komponente zurückgeht. Warum Krypto im Juli so stark lief, klärt der nächste Abschnitt.
Tokenisierung und Cybersecurity: Die Krypto-Rally sticht heraus
Die grössten Renditen des Monats lieferte das vierte Segment. Zwar musste der L&G Cyber Security ETF einen kleinen Rückgang von 2,7 Prozent hinnehmen, doch das war lediglich eine Verschnaufpause nach der starken Vorentwicklung. Mit einem Jahresplus von 45,5 Prozent bleibt er der Top-Performer unter allen ETFs des ETF Compass 2026. Deutlich kräftiger ging es bei den beiden Kryptoprodukten nach oben. Der 21Shares Ondo ETP schoss um 28,2 Prozent nach oben und machte damit sein bisheriges Jahresminus mehr als wett, sodass nun ein Plus von 6,7 Prozent zu Buche steht. Der 21shares Ethereum Staking ETP gewann 17,4 Prozent, bleibt im Jahr mit minus 36,1 Prozent aber weiterhin klar im roten Bereich.
Dass Krypto im Juli gegen den Trend des übrigen Marktes und insbesondere der Chipwerte so stark zulegte, hatte vor allem einen geldpolitischen Auslöser. Der US-Notenbankchef Kevin Warsh äusserte sich Anfang Juli erstmals weniger restriktiv zur Inflation, und ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht mit nur rund 57'000 neuen Stellen nährte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen. Da niedrigere Zinsen risikoreiche Anlagen begünstigen, sprang der gesamte Kryptomarkt an, Bitcoin kletterte wieder über 66'000 US-Dollar und Ethereum legte im Monatsverlauf über 20 Prozent zu. Beim Ondo kam ein eigener Kurstreiber hinzu. Neue Kooperationen zur Tokenisierung von Aktien, unter anderem mit der US-Abwicklungsorganisation DTCC und dem japanischen Finanzkonzern SBI Holdings, verliehen dem Thema realer, tokenisierter Vermögenswerte kräftigen Rückenwind.
Fazit: Der Juli als Lehrstück für Core und Satellite
Unter dem Strich war der Juli ein ruhiger Monat für die Kernstrategie und ein bewegter für die Satelliten. Die Schwellenländer und vor allem die KI-, Robotik- und Clean-Energy-ETFs gaben spürbar nach, während sich die Krisenbausteine stabilisierten und Krypto die stärksten Zuwächse lieferte. Gerade dieser Monat zeigt den Wert der Core-Satellite-Strategie besonders anschaulich. Die breit gestreuten Core-Produkte lieferten verlässliche Stabilität, während die renditestärksten Satelliten aus dem Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik zwar auch einmal kräftig nachgeben können, unter dem Strich aber weiterhin klar im Plus notieren. Der Automation & Robotics ETF liegt mit 28,5 Prozent im laufenden Jahr sogar weiterhin vor dem besten Core-Produkt. Genau diese Arbeitsteilung ist der Kern der Strategie: Der Core sorgt für Ruhe im Depot, die Satelliten für zusätzliches Renditepotenzial, das kurzfristige Schwankungen aushalten muss.
Daniel Dünn, Redaktion TraderFox (finanzen.net)
Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Aktien-, Themen- und Krypto-ETFs unterliegen teils erheblichen Kursschwankungen, zwischenzeitliche Verluste sind möglich.
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